#DMWKaffee mit … Hanneke Riedijk in Berlin

In der Reihe #DMWKaffee mit … gehen Autorinnen dieses Blogs mit spannenden Frauen aus der Digitalbranche einen Kaffee trinken. Für diese Folge hat sich Christine Plaß aus dem Berliner Quartier mit Hanneke Riedijk, Gründerin von Gestunary getroffen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, eine App zu entwickeln?

Ich spielte mit dem Gedanken, ein Lexikon für Gestik herauszugeben. Ich dachte dabei die ganze Zeit an ein Büchlein, aber als ich die Idee dann ein paar Menschen erzählt habe, kam die Rückmeldung, ein Buch sei altmodisch und nicht so flexibel handhabbar. Da wäre ein digitales Wörterbuch doch vielleicht besser?

Worum geht es in Deiner App?

Gestunary ist ein universelles Wörterbuch für Gesten, das dir zum Beispiel auf Reisen hilft, die Menschen in einem Land zu verstehen, in dem du nicht aufgewachsen bist. Die Sprache in der App ist Englisch, so dass möglichst viele davon profitieren. Mit dem Gestunary (zusammengestellt aus „gestures“ für Gesten und dictionary für Wörterbuch) weiß der Nutzer genau, welche Gesten er in der Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen vermeiden sollte und welche gut funktionieren. Ideal ist die App beispielsweise für Dienstreisende, aber auch für Flüchtlinge: So lernen sie was die deutschen Gesten bedeuten, die für sie erst einmal komisch und unbekannt sind.

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Screenshot der App Gestunary. Fotos: Norman Posselt

Wie bist Du zu dem Thema gekommen?

Als Schülerin habe ich ein Jahr lang in Japan gelebt und dort schon als Teenager gelernt, dass ich mit meinem niederländischen Hintergrund nicht immer verstanden wurde, wenn ich nonverbal kommuniziert habe. Als ich dann nach Deutschland kam, hatte ich auch gleich ein offenes Auge für Gestik, die meist ganz unbewusst passiert, aber so unglaublich viel aussagt. In dem Bereich gibt es so oft Missverständnisse.

Welche Herausforderungen waren mit der Entwicklung der App verbunden?

Einen Coder zu finden war eine große Herausforderung. Man denkt vielleicht, dass Berlin voller Programmierer ist und das ist auch so. Trotzdem dauerte es. Auch weil ich dafür anfangs kein Geld in der Hand hatte.

Was war die größte Hürde?

Meine Ungeduld vielleicht. Ich fand es nicht einfach, die Idee erstmal ruhen zu lassen. Das war aber gut, weil mit der Zeit meldeten sich Menschen, die die Idee gut fanden und daran mitarbeiten wollten. Da hat es dann richtig angefangen. Nachdem im Herbst 2015 das Crowdfunding für die Erstprogrammierung der App erfolgreich gelaufen war, konnte ich den Prototypen in Auftrag geben. Seit Februar ist die App im iTunes Store kostenlos zu haben und ich möchte Android schnellstmöglich nachziehen. Ich habe mir 1.000 Downloads als Ziel für das erste Quartal 2016 gestellt. Das ist sehr ambitioniert. Vielleicht ist das jetzt die größte Hürde.

Wie hast Du die ersten Schwierigkeiten überwunden?

Vor allem mithilfe von anderen. Es war unglaublich, wie viele mir helfen wollten, weil sie die Idee gut fanden. Ich bin auch einfach auf Menschen zugegangen und habe von meiner Idee erzählt. Da haben manche sich und ihre Fähigkeiten ohne Zögern eingebracht. Ich habe Japanisch und Journalismus studiert, also nichts, wobei ich lernte, wie ich eine App entwickle…

Wie viel technisches Know-How brauche ich, um eine App herauszubringen?

Wenn du Menschen kennst, die helfen können, brauchst du eigentlich keins. Aber es hilft natürlich, selbst App-Nutzer zu sein und zu wissen, was für dich und für andere gut funktioniert. Außerdem war sehr hilfreich, dass ich mich in der Startup-Szene in Berlin gut auskenne und dort um Hilfe oder Meinungen bitten konnte. Das machte so manche Entscheidung einfacher.

Foto: Franz Kummer

Hanneke Riedijk. Foto: Franz Kummer

Welche Fähigkeiten hast du mitgebracht, um die App zu entwickeln?

Inhaltlich basiert die App auf meiner Leidenschaft für interkulturelle Kommunikation. Ich liebe es, Menschen bei den kleinen typischen interkulturellen Missverständnissen zu beobachten und diese Kommunikation zu analysieren. Als Coach habe ich auch manchmal Gespräche mit meinen Klienten, die sich um dieses Thema drehen.

Welche Fähigkeiten musstest du Dir aneignen?

Ich musste mich mit so etwas wie Business Plan, Rechtsformen und Preismodellen beschäftigen. Das war alles neu für mich.

Wie lange hast Du für die erste Version der App gebraucht?

Von der Idee bis zum Launch hat es letztlich über ein Jahr gedauert. Daran gearbeitet habe ich aber nicht ständig. Ich hätte es bestimmt schneller schaffen können, aber ganz ehrlich: diese Reise war super, und ich bin froh das die App und ich zusammen gewachsen sind.

Hattest Du einen Masterplan?

Anfangs ging ich nach Lust und Laune vor. Da passierte aber natürlich nicht so viel. Mit der Zeit waren dann so viele andere Menschen involviert, dass wir dafür einen Plan gebraucht haben. Es half auch sehr, dass ein gelernter Projektmanager meine Gedanken und Pläne mit mir noch mal auf den Punkt und auf Papier gebracht hat.

Was würdest du anderen raten, die eine gute Idee haben und daraus eine App entwickeln wollen?

Das ist einfach: Mach es! Prüfe deine Idee, indem du immer wieder davon erzählst und versuche dann auch einen kleinen Klick-Dummy zu machen. Damit ist ein kleines Mock-up gemeint, das dem künftigen Produkt schon ganz ähnlich sieht und zum Testen im künftigen Markt meist prima funktioniert.

Jetzt ist deine App auf dem Markt, wie geht es weiter?

Ich habe schon viele neue Inhalte für die App vorbereitet, die „nur“ noch umgesetzt werden müssen. Das kostet natürlich viel Zeit und auch Geld. Woher das Geld nun kommt, ist die nächste Herausforderung. Vor allem ist mir sehr wichtig, von den Nutzern zu hören, wie sie die App bewerten. Mich interessiert auch sehr, welche Art von Informationen oder Features sie sonst noch gut gebrauchen könnten. Für die nächste Version werde ich diese Anregungen dann natürlich berücksichtigen.

Vielen Dank liebe Hanneke, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit Gestunary!

 

 

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