Digital Nomad in Thailand: Es begann auf der re:publica

Ich wollte mich eigentlich nur kurz berieseln lassen, mich in einen Talk setzen und einfach nur zuhören, ohne großartig nachdenken zu müssen. Ein bisschen Pause an einem aufregenden, anstrengenden re:publica-Tag.

Gefunden hab ich mich in der Session der Digital Media Women, die eine bunte Mischung an Lightning Talks im Angebot hatten: Val Racheeva sprach über das neue Netzwerk WEFOUND, Ralley-Queen und Finanzbuchhalterin (!) Tina Meier über ihre Dirtbike-Karriere und Susann Hoffmann nutzte die Gelegenheit, um am Tag vor dem EDITION F Launch die Werbetrommel zu rühren. Coole Talks. Ich war zufrieden mit der Entscheidung, den Nachmittag im abgedunkelten Vortragssaal statt mit einem Bier im Hof zu verbringen.

Was ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der nächste Talk würde mein Leben verändern. Echt jetzt. Ganz ohne Übertreibung.

Aber mal von vorne

Kathrin Folkendt (Foto: Kathrin Folkendt)

Kathrin Folkendt (Foto: Kathrin Folkendt)

Wer bin ich eigentlich? Kathrin. Österreicherin. Freelancerin. Spezialgebiet: Inbound-Marketing. Semi-professioneller Schreiberling. re:publica-Fangirl. Fan des gepflegten Sarkasmus und Zynismus. Aber (meistens) eigentlich “eh ganz nett”.

Als ich letztes Jahr auf der re:publica war, war ich drauf und dran, mein Freelancer-Dasein für eine kleine, aber feine Agentur aufzugeben, was ja prinzipiell ein schöner Schritt ist. Problem allerdings: Ich war nicht wirklich glücklich damit. War es wirklich das, was ich wollte? Die nächsten xx Jahre in Wien verbringen? Ist Erfolg wirklich alles? Ist Karriere wichtig? Was ist Karriere eigentlich? Was ist Erfolg eigentlich? Und was will ich überhaupt? Fragen über Fragen.

Ich hatte immer mit dem Gedanken gespielt, nochmal ins Ausland zu gehen, nochmal von Null anzufangen und mich ins Abenteuer zu stürzen. Aber irgendwie hatte ich diese Idee mental unter “Mission Impossible” abgelegt. Hatte. Denn Conni Biesalski von Planet Backpack hat meine Sicht auf die Dinge und Möglichkeiten in ihrem Lightning Talk verändert. Sie sprach davon wie sie als Travel Bloggerin ihr Geld verdient und 9-to-5 für ein “Life on the Road” aufgegeben hatte, wie sie als Digital Nomad ihren Tag verbringt und was ihre Pläne sind.

Ich hatte von Digital Nomads gehört und fand das Konzept eigentlich schon immer spannend. Richtig identifiziert hatte ich mich damit allerdings nie. Digital Nomads waren für mich immer: Männlich, Twenty-Something, Single und ausgestattet mit einem Ego, von dem ich nur träumen kann. Jaja, Stereotype und so. I know. Conni’s Talk hat bei mir jedenfalls zum ersten Mal ein “Hey, ich glaub ich kann das auch!”-Gefühl ausgelöst. Und dieses Gefühl hat mich auch nicht mehr losgelassen.

Der Rest ist Geschichte

Ich habe meine Wohnung in Wien gekündigt, ein Ticket gebucht und bin einige Monate später in ein Flugzeug nach Chiang Mai gestiegen. Warum Chiang Mai? Darum. Unter anderem.

Coworking in Thailand (Foto: Kathrin Folkendt)

Coworking in Thailand (Foto: Kathrin Folkendt)

Jetzt gerade sitze ich hier in meinem Coworking Space in Thailand und arbeite an einer E-Mail-Marketing-Kampagne für einen meiner deutschen Kunden. Die Distanz ist überraschenderweise gar nicht so groß. Basecamp & Skype, thank you very much! Die Arbeit macht mir wieder Spaß und ich bin voll neuer Ideen und kreativ, wie schon lange nicht mehr.

Neben meinem Freelancer-Dasein habe ich in Thailand auch wieder mehr Zeit fürs Schreiben gefunden und arbeite an einigen Projekten, die mich persönlich sehr glücklich machen. Zeit ist ein Luxus, den ich hier nun habe.

 

 

 

 

Was noch super ist:

  • Die günstigen Lebenserhaltungskosten (inkl. Massagen, Wäsche waschen lassen, Cleaning Lady, …)
  • Das thailändische Essen #nomnomnom
  • Yoga/Zumba/Crossfit/Swimming/Trail Running/Hiking
  • Die inspirierende entrepreneurial Community um mich herum

Klingt toll! Wo ist der Haken?

Ja, ich geb es zu. Hin und wieder meldet sich das Heimweh. Aber ich und alle die mich gern haben wissen, mir geht es gut hier und ich bin glücklich. Und da ist hin und wieder ein bisschen Wehmut, wenn man an zu Hause denkt, ein Preis, den ich (im Moment) gerne bereit zu zahlen bin. Ob das auch immer so bleiben wird, weiß ich noch nicht. Wie wir in Österreich sagen würden: “Schau ma moi, donn seg ma’s eh.” Zu Deutsch: Schauen wir mal, dann werden wir schon sehen. 😉

Aber warum schreibe ich eigentlich diese Zeilen? Ich denke, weil ich sagen will: Wenn ich das kann, könnt ihr das schon lange. Nein, Digitales Nomadentum ist definitiv nicht für jede und jeden das Richtige. Aber denen, die mit dem Gedanken spielen, sich aber (so wie ich ursprünglich) nicht so recht trauen, will ich sagen: You can do it! Es ist im Endeffekt einfacher, als man am Anfang denkt und eine Erfahrung, die ihr – und da bin ich mir zu 99,5% sicher –  nie bereuen werdet.

PS: Die Digital Media Women Lightning Talks von der re:publica 2014 gibt’s übrigens auf YouTube. 🙂 Und auch in diesem Jahr sind wir natürlich dabei mit den Lightning Talks auf der re:publica 2015 am 6.5. um 18:45 Uhr – die Liste der Speakerinnen wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.

 

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2 Antworten zu "Digital Nomad in Thailand: Es begann auf der re:publica"

  1. Yeah, sehr cool! Wenn ich bei einem Talk das Leben von nur einer Person verändern kann, dann hat es sich gelohnt 🙂

    Alles Liebe für dich!! Stolz auf dich!

    <3 aus Bali

  2. Insa sagt:

    Liebe Kathrin,

    Danke für deinen tollen Blogpost. Die Verführung, sich wieder fest anstellen zu lassen, kenne ich auch: festes Gehalt, zu Hause bleiben, wenn man krank ist, bezahlter Urlaub… Warum ich seit 9 Jahren Freelancer bin? Weil ich es einfach liebe, eigene Ideen in Projekte umzusetzen.
    „Früher“ bin ich auch viel gereist: Habe mit 16 ne Interrail-Tour durch Europa gemacht, war als Au-pair in Südfrankreich, bin als Studentin durch Neuseeland gereist und habe in Kapstadt gearbeitet. Mit der Zeit ist diese Reiselust im Alltag untergegangen. Dank deines Artikels habe ich eine Idee, wie ich meinen heutigen Job mit der Reiseleidenschaft von damals wieder verbinden kann. Noch ist es eine Idee. Mal sehen, wann ich diese in ein Projekt umsetze.
    Grüße aus Berlin und Danke für die Inspiration – Insa

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