Authentisch währt am längsten – über die Herausforderungen von Blogger Relations

Das Panel am Donnerstagabend (Von links: Sanja Stankovic, Annika "Shawty" Manick, Martin Giese, Sabine Hockling, Claudia Rienhoff)

Von links: Sanja Stankovic, Annika „Shawty“ Manick, Martin Giese, Sabine Hockling, Claudia Rienhoff

Es war eine ziemlich moralische Runde, die am Donnerstagabend beim #dmwHH-Themenabend diskutierte. Soviel schon mal vorweg.

Die Digital Media Women Hamburg luden im Hause unseres Partners Xing zum Themenabend „Der richtige Spagat zwischen PR und Blogger Relations“. Organisiert von Foodbloggerin und Start-up-Gründerin Sandra Roggow (Kitchennerds.de) von den #dmwHH und kompetent moderiert von DMW-Mitgründerin Sanja Stankovic, diskutierte die Runde über die richtige Ansprache von Journalisten und Bloggern, die feinen Unterschiede und Herausforderungen.

Die Herausforderungen sind auf jeden Fall nicht zu unterschätzen, zumindest für diejenigen, deren Job dieser Tage darin besteht, Kommunikationsarbeit gemeinsam mit Bloggern zu machen. Das berichtete zum Beispiel Martin Giese, stellvertretender Redaktionsleiter von hamburg.de, die unter „So bloggt Hamburg“ Beiträge von lokalen Bloggern zweitpublizieren. Die Redaktion agiert im nicht unkomplizierten Spannungsfeld von kostenlosem Content gegen Reichweite, mit dem – wenn auch in dem Fall leicht anders gelagert – schon die „Huffington Post Deutschland“ auf die Nase gefallen ist. Martin malt ein recht rosiges Bild von der Zusammenarbeit, die aber wohl am Ende noch zu jung ist, um beurteilen zu können, was seine Bloggerbeziehungen dem Portal bringen – und umgekehrt.

Gut gemeint, schlecht umgesetzt

Erhellender waren da die Einsichten, die Claudia Rienhoff, Director bei Segmenta, teilte. Stolz und froh, ein größeres Budget für die Arbeit mit Bloggern erhalten zu haben, habe man sich selbst zu sehr unter Leistungsdruck gesetzt. Die Kurzfassung: Die Ware vom Kunden wurde nicht geliefert, war Foodbloggern aber versprochen worden. Eine Situation, an der Segmenta in dem Moment nichts mehr ändern konnte – doch die Verärgerung bei einigen der angesprochenen Blogger war groß.

„Wir hätten diese Aktion nicht machen dürfen“, resümierte Claudia am DMW-Abend. Sie hätten gleich zu Plan B übergehen, hätten sich aber „verbissen“ und  letztlich „hat es uns mehr geschadet“ als genützt. Segmenta habe aus diesem Fall viel gelernt, sagt sie, was nicht ungewöhnlich ist, schließlich ist die professionelle Zusammenarbeit mit der Blogosphäre zumindest in deutschen Unternehmen noch in den Kinderschuhen.

Ist der Spagat überhaupt ein Spagat?

Und mit Bloggern zu arbeiten, ist eben nicht dasselbe wie mit Journalisten (ohne damit die elendige „Sind Blogger Journalisten?“-Diskussion aufmachen zu wollen). Auch wenn dieselben Leute beide Felder bespielen: Vielleicht ist der Titel-Spagat zwischen Public und Blogger Relations gar keiner; das sei jetzt mal so dahin gestellt. Um die klassische Pressearbeit ging es also weniger, aber mit Sabine Hockling saß eben auch eine auf dem Podium, die für beide Seiten steht: Sie ist Journalistin („Zeit Online“) und hat gemeinsam mit einer Kollegin aus Frustration über thematische Einschränkungen einst spontan mit dem Bloggen begonnen.

In dieser Doppelrolle kennt sie noch einen ganz anderen Spagat, nämlich den der Journalistin, die sich mit Kritik von Kollegen konfrontiert sieht, wenn sie zum Beispiel im Rahmen von Blogger Relations eines Unternehmens Kleidung annehmen würde, um dann darüber zu schreiben. Die Journalistenkollegen klingen nach den typischen rückständigen Redakteuren, die auch nicht akzeptieren können, dass freie Journalisten nebenbei PR machen (müssen), um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Solange es keine Überschneidungen gibt, ist dies ein völlig akzeptabler Vorgang. Einer gestandenen Journalistin wie Sabine wünsche ich, dass sie über diese Kritik erhaben ist und in Bezug auf ihr Blog ihr eigenes Ding durchzieht.

Klar wurde durch Sabines Erzählungen, aber auch durch Claudias Bericht, dass Blogger Relations nicht nur was anderes, sondern im Zweifelsfall sehr viel schwieriger ist als Public Relations, also die klassische Zusammenarbeit mit Journalisten. Die Sondierung sei komplexer, sagt auch die Agenturchefin. Als Unternehmen (oder eben Agentur im Auftrag eines Unternehmens) müsse man sich gut informieren über die Schreiber und ihre Vorlieben kennen. Nicht zuletzt – das schwingt jedenfalls zwischen den Zeilen am ganzen Abend immer wieder mit – sind manche Blogger offenbar ganz schöne Diven.

Speakerin Annika "Shawty" Manick per Sketchnote festgehalten von Ines Schaffranek

Speakerin Annika „Shawty“ Manick per Sketchnote festgehalten von Ines Schaffranek

Wie wichtig Blogger-Authentizität ist

Eine Diva ist Annika „Shawty“ Manick so gar nicht, sondern repräsentierte auf dem Podium die Bloggerin, die wohl der Traum so manches Unternehmens ist: Getrieben von ihrer Leidenschaft für HipHop, Sneaker und Streetart startete sie ihr Blog TonRabbit.com. Gefühlt innerhalb sehr kurzer Zeit wurde sie von der Hobbyposterin zur gefragten Bloggerin, die von Festivals berichtet, Interviews mit Musikern führt und Produkte testet, die wirklich zu ihr passen. Von Blogger-Authentizität, Support für ihre Lieblingslabels und Loyalität sprach sie, zeigte absurde Anfragen als Beispiel für misslungene Blogger Relations, aber eben auch gute Beispiele, wo sich jemand wirklich Gedanken gemacht hatte über sie als Person und das, was zu ihrem Blog passen könnte. Ihre Erzählungen korrespondierten sehr schön mit dem, was Claudia Rienhoff aus Unternehmenssicht als Ideal beschrieb.

Mehr als eine Filterblasendebatte?

Ideal ist dabei ein gutes Stichwort und so ein bisschen die Krux des ansonsten spannenden, vielseitigen Abends, der nicht umsonst mal wieder viele Besucherinnen und Besucher zu den DMW zog, die bislang noch nie dabei gewesen waren: Diskutierte hier nur eine sehr moralische Filterblase? Eine Bemerkung aus dem Publikum: „Die Realität sieht ganz, ganz anders aus.“ Das bestätigte auch Djure Meinen, der für die Agentur achtung! einen Kodex für die richtige Bloggeransprache mitentwickelte und den Anwesenden erst mal dem Daumen hoch gab für ihre vorbildliche Einstellung.

Tatsächlich hätten einige Beispiele von Bloggern, denen Integrität ziemlich egal ist, die sich gerne kaufen lassen und die für Kohle statt aus Leidenschaft bloggen, der Runde vielleicht ganz gut getan. So wie es ja auch auf Unternehmensseite positive Beispiele gab genau wie Erzählungen von richtig schlechter Bloggeransprache. Am Ende – das könnt ihr auch unter unserem Hashtag #dmwhh auf Twitter nachlesen – war das Publikum jedoch sehr angetan von der Transparenz und Authentizität der Referentinnen und Referenten und von deren Tipps für Blogger genau wie deren Unternehmenskontakte. Und ein bisschen gegenseitige Bestätigung, dass wir uns alle mit denselben bescheuerten Anfragen für E-Zigaretten-Werbung und ähnlichem Linktausch-Spam herumplagen, kann ja ab und an auch nicht schaden.


Vielen Dank an alle Teilnehmer, unsere Organisatorin des Abends, den Locationsponsor Xing und nicht zuletzt das aktive Publikum. Mehr Eindrücke gefällig? Dann schaut euch unbedingt Ines‘ Sketchnotes an oder Riekas Fotos:


Mit einem großen Dankeschön an Rieka Anscheit für die Fotos!

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1 Antwort zu "Authentisch währt am längsten – über die Herausforderungen von Blogger Relations"

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