Scoopcamp: Don’t panic! Auch Roboter-Journalismus braucht Menschen

logo_scoopcamp_2014Das Scoopcamp hat sich innerhalb von sechs Jahren von einer Hamburger Veranstaltung für Medienschaffende, die sich für Online-Trends interessieren, zu einer bundesweit bedeutenden  Innovationskonferenz im Journalismus entwickelt. Auf dem #scoop14 ging’s vornehmlich darum, Journalisten die Angst vor den neuen Technologien zu nehmen.

Hier noch einmal fünf Gründe, warum Innovationen im Journalismus JETZT dringend nötig sind:

#1 Die Medienrevolution ist da!

Nach den jüngsten Personalien aus den großen Verlagshäusern fragen sich viele Menschen zu recht. Warum kündigen beliebte  Führungskräfte wie Anita Zielina, die den digitalen Wandel umsetzen wollen? Und warum kommen andere weiter, die an dem Bewährten festhalten? Wie kann eine rückgewandte Personalpolitik agiles und technologisch zeitgemäßes Produzieren und Publizieren von hochwertigem Journalismus ermöglichen?

Zumindest auf dem Abschluss-Panel zeigen die Chefredakteure von dpa, Stern Online, Zeit Online und der Huffington Post, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden haben:

Burt Herman, amerikanischer Journalist, Mitbegründer von Storify und beeindruckender Keynote-Speaker auf dem Scoopcamp ist davon überzeugt, dass die journalistische Zukunft in der Essenz von Entrepreneurship und Medien liegt. Verlagshäuser und Rundfunkanstalten, die die Zeichen der Zeit nicht erkennen, so twittert Burt nach seinem Vortrag, werden zurückgelassen:

#2 Automatisierung gehört zum Journalismus der Zukunft 

Ken Schwencke von der New York Times leitete seine Keynote über „Roboter-Journalismus“ mit dem Chart: „Dont‘ panic!“ ein.

Mit einfachen Worten beschrieb der Online-Redakteur, wie er bei der LA Times kleine Programme geschrieben hat, die für ihn beispielsweise den Polizeireport auswerteten, das Fact-Checking übernahmen und ein Framework für die Nachricht produzierten. Sein zeitgemäßes Plädoyer für vermehrten Einsatz von digitalen Tools mit Online-Journalisten kommt bei vielen Journalisten nicht so gut an. Vielleicht hilft hier die einfache Erkenntnis, dass Technik dem Menschen die Arbeit erleichtern, ihn aber noch nicht völlig ersetzen kann. Nur das zeitgemäße Werkzeug bedienen kann, wird Daten auswerten und zu spannenden Geschichten verarbeiten können. So betrachtet, dient die zunehmende Digitalisierung der Redaktionsräume dem Qualitätsjournalismus. Denn „Roboter-Journalismus“ nimmt dem Redakteur Routinen ab und schenkt ihm Zeit für Recherche und Storytelling. 

#3 Produziere tollen Content und mache ihn sichtbar

Zu den neuen Aufgaben eines Online-Redakteurs gehört heute auch, Inhalte über Social Media zu teilen und damit die eigene Arbeit sichtbar zu machen. Das Thema „Reichweite“ ist auch in den Verlagshäusern angekommen. In einer Zeit, in der viele Mediennutzer hauptsächlich über Facebook, Twitter und Co. Nachrichten aufnehmen und diskutieren, sind Social Media aus dem journalistischen Alltag nicht mehr wegzudenken. 

#4 Innovativ denken kann jeder – Innovation braucht Zeit zum Wachsen

Wir bauchen innovativen Journalismus, haben sie auf dem Scoopcamp alle gesagt. Doch woher kommen die Ideen dazu? Zum Beispiel auf einem Medien-Hackday. Ihre Hacks, die Ergebnisse vom Hackathon am Tag zuvor, pitchten Team Henri-Nannen-Schule, Team Innovation der Deutschen Welle und das Team Freie Journalisten vor den Scoopcamp-Teilnehmern. Der Vorjahressieger von der Deutschen Welle hat erneut die meisten Stimmen erhalten.

Dass auch ganz normale Scoopcamp-Besucher auf innovatiove Ideen kommen, haben wir im Workshop „Entrepreneurship“ bewiesen. Acht bunt zusammen gewürfelte Teams haben ihre journalistische Ideen vor der Jury gepicht:

Um innovative Ideen in Innovationen umzuwandeln, braucht es mehr als das. In der gesamten Branche geht es darum, umzudenken. Doch nicht für jeden Journalist bringt die neue Zeit Vorteile. Die Angst vor Veränderungen lähmt. Das wissen auch die Medienverantwortlichen sehr genau. dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, der mir auf dem Abschluss-Podium überraschend gut gefallen hat, bringt es auf den Punkt:

Aber weil Gösmann auch weiß, dass allein Veränderungen ein Traditionsunternehmen wie die dpa retten kann, setzt er auf das Allheilmittel vieler Großunternehmen: einen Inkubator einzurichten und zu finanzieren. Jetzt liegt es an den Führungsgremien des Nachrichtendienstes, das „go“ zu geben.

#5  In innovativen Zeiten sind Frauen gefragt. Wen wollt ihr 2015 auf der Bühne erleben?

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Frauen wollen an journalistischen Innovationen mitwirken. (Foto: CBV)

Und wenn die Zeiten unruhig sind und persönlicher Erfolg schlecht planbar ist, sind es oft Frauen, die Verantwortung übernehmen. Bei der Deutschen Welle hat eine leitende Redakteurin die Brücke zwischen den Generationen gebaut und die redaktionellen Veränderungen mit Geschick begleitet. Vielleicht gibt es solche Entscheidungen auch vermehrt in anderen Medienhäusern zu beobachten.

Der gesellschaftliche Druck, auch Frauen auf die Bühnen zu bringen, hat jedenfalls auch die Scoopcamp-Veranstalter erreicht. Eine der Keynotes in 2015 soll auf jeden Fall von einer Frau gehalten werden. Wenn ihr eine bestimmte, international bekannte, innovative Journalistin erleben wollt, postest ihren Namen unter diesem Blogpost. Die Vorschläge der DMW werden auf jeden Fall von den Scoopcamp-Veranstaltern dpa und nextMedia Hamburg gesehen. Versprochen.

 

Weitere Berichte über das Scoopcamp 2014:

Welt.de: Mobile-Nutzung wird Welt komplett verändern

Stern.de: Hintergrund Scoopcamp: Fünf Trends der Medienbranche

Vocer.org: Mehr small names

Ausgeheckt.de: Journalismus Events und der verschwundene Mehrwert

NextMedia Hamburg: Das Scoopcamp-Video

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2 Antworten zu "Scoopcamp: Don’t panic! Auch Roboter-Journalismus braucht Menschen"

  1. Inge Seibel sagt:

    Ihr solltet unbedingt die wundervolle Paula Cordeiro aus Lissabon einladen, die perfekt Englisch spricht. Ich habe sie zuletzt in Dublin bei einem Vortrag zur Bedeutung von Apps für Radiostationen gehört und sie hat darau einen Event gemacht http://about.me/paulacordeiro

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