Zwischen German Haus und Grumpy Cat – so war die SXSW

Claire England (Startup Verantwortliche SXSW) und Sanja Stankovic

Claire England (Start-up-Verantwortliche SXSW) und Sanja Stankovic (Kuratorin Hamburg Interactive Day@SXSW) – Foto: privat

Vergangenen Sonntag ging das South by Southwest Festival in Austin, Texas zu Ende und so langsam haben wir uns alle von unserem Jetlag mehr oder weniger erholt. Als Kuratorin des Hamburg Interactive Tages und Organisatorin des Startups@Reeperbahn Pitches war ich ehrlicher Weise vor Ort dann ziemlich eingebunden, so dass ich beim Interactive Teil (der bis zum 11. März andauerte) nicht so viele Talks und Sessions besuchen konnte, wie ich es mir erhofft hätte.

Ich war eher in anderen Länder-Häusern oder Events (Create, Accelerator) unterwegs, um dort Termine wahrzunehmen. Als ich 2012 das erste Mal dort war (Nachbericht eins und zwei), versuchte ich von morgens bis abends so viele Sessions wie möglich wahrzunehmen. Bei beiden Aufenthalten nahm ich sehr viel mit, in diesem Jahr war für mich allerdings eines besonders Highlight mein jetzt deutlich erweitertes Netzwerk: Ich habe unfassbar tolle und großartige Menschen aus Deutschland und gefühlt allen Ländern der Welt kennengelernt und neben sehr spannenden Gesprächen einfach eine großartige Zeit gehabt. Sowas kann kaum eine Konferenz in Europa bieten. Danke an alle (besonders Simon Harlinghausen) dafür! Der Buzzrank Curator zeigt übrigens die Top Charts der Links, Fotos & Videos mit dem höchsten BuzzRank.

Mein Tipp: Kommt nächstes Jahr mit, schnappt euch ein Early-Bird-Ticket, suchte eine Unterkunft bei AirBnb und bleibt auf jeden Fall auch für den Musikteil vor Ort! Die Frauenquote vor Ort auf den Bühnen und unter den Besuchern war sehr gut und hat Vorbildcharakter, die Quote innerhalb der deutschen Delegation hat dagegen noch deutlich Luft nach oben.

Ich habe ein paar der anwesenden Frauen nach ihren Eindrücken und Highlights gefragt:

Yasmin Akay

Yasmin Akay - Teamleitung Social Media & Productmanagent Online RTL2

Yasmin Akay – Teamleitung Social Media RTL2 – Foto: Michael Praetorius

Texas, Austin – irgendwie wirkt hier alles größer und weiter. Genau darum ist Austin vermutlich auch der Schauplatz des 1987 gegründeten SXSW Festivals, das gemessen an der Vielzahl der Bühnen und Schauplätze eines der größten Festivals der Welt ist. Seit Langem hat mich keine Konferenz so überwältigt wie diese. Das begann schon bei der Planung, denn bei der Vielzahl an spannenden Vorträgen und Film- oder Serien-Vorführungen hätte ich mir drei Doppelgänger gewünscht. Dann kommt man an und wird mitgerissen von der Energie der Stadt und der Menschen. Die Anspannung ist wie weggeblasen und es bleibt pure Freude.

Wie so oft haben sich auch hier die vermeintlich „kleinen“ Sessions als wahre Perlen herausgestellt. Zum Beispiel „Cat Cash: The Economy of Internet Cat Videos“, die am Ende von Grumpy Cat gecrashed wurde. Auf einmal drehte sich alles und jeder in diesem Raum um eine Handvoll Katze. Die SXSW vereint Film- Musik- Liebhaber, Internetnerds, Social Media Junkies, Stars wie Kevin Bacon, Roberto Rodriguez oder Dana Brunetti sind nahbar. Viele Sessions bieten mit den Q&A’s die einmalige Chance, in den direkten Austausch zu gehen, eine Chance, die man unbedingt nutzen sollte.

Wenn man eine Pause von all den Sessions braucht, bummelt man einfach kurz über die 6th Street, wo es an fast jeder Ecke Musikperformances gibt. Die Auswahl an Konzerten während der SXSW ist ebenfalls überwältigend: Coldplay, Soundgarden, London Grammar, Imagine Dragons, Jay Z & Kanye West, Nas, Steve Aoki und Wiz Khalifa sind nur einige der großen Namen, die sich dieses Jahr die Ehre gaben. Ich kann jedem die SXSW nur wärmstens ans Herz legen; das ist ein Event, das man gesehen und erlebt haben muss! Ein „fettes“ Dankeschön geht an das Hamburger Team, die es mit Ihren Sessions im German Haus geschafft haben mir (als Münchenerin) bei all dem bunten Trubel auch noch ein Stück Heimathafen nach Austin zu bringen und an all die wunderbaren Menschen die ich während meiner Zeit in Austin kennengelernt habe.

Nadia Zaboura

v.l.n.r: Claudia Pelzer (UFA labs), Nadia Zaboura (CREATIVE.NRW), Jan Kus (Railslove)

v.l.n.r: Claudia Pelzer (UFA labs), Nadia Zaboura (Beraterin Digital Innovation, Internationalization und Entrepreneurship bei CREATIVE.NRW), Jan Kus (Railslove). Foto: Daniel Brückner

Meine größten inhaltlichen Highlights: Grumpy Cat hatte fast einen glücklichen Tag; Shaquille O’Neill ist ein Berg, das „Interactive Dating Game“ kürte zwei Sieger aus NRW; das „German House“ brillierte.

Meine wichtigsten Themen des SXSW-Kongressprogramms:

1. Wearables & Health: Google Glass und Oculus VR = allgegenwärtig. Und: Das Interesse an Health & Fitness Apps bleibt ungebrochen. Fazit: Technisch gestützte Selbstoptimierung wird raffinierter, medienbruchfreier, verzahnter.

2. Cat Cash & feline Monetization: Katzenvideos lohnen sich (CPM (Cost per thousand views) $10 dank überwiegend weiblicher Zielgruppe von 40 bis 60).

3. Talent & Teams: Sieger im globalen Wettbewerb = Länder, die „Curiosity“ als Standortfaktor begreifen. Wer dann doch „awesome groups“ aus Nerds, Scientists und Creatives zusammenstellt, hat gewonnen.

4. Net Neutrality: Netzneutralität ist in Gefahr, bleibt der global relevante Faktor für freie Wirtschaft, florierendes Gründertum, Demokratie. Verteidigung durch „grassroots pressure“.

Mein Nummer-Eins-Learning: Secret Ingredients der SXSW Interactive: Nerd- und Popkultur meets fundierte Diskussionen über digitale Wirtschaft und Gesellschaft meets „Can do“-Spirit. Das alles ohne Scheuklappen, ohne politischen Proporz, stattdessen direkt aus der Praxis und durchweg interdisziplinär.

Mein Tipp für alle, die nächstes Jahr hinfahren: Ausreichend Zeit einplanen zum Treiben lassen, sonst verpasst man die interessantesten Menschen.

Felicitas Hackmann

Daniel Fiene und Felicitas Hackmann

Daniel Fiene und Felicitas Hackmann – Foto: Selfie by @Frau_Feli

Die SXSW war auch dieses Jahr wieder ein Spektakel! Da ich ohne Badge anreiste, lag mein Fokus auf den Menschen, die ich außerhalb der Sessions kennenlernen konnte. Und davon gab es wieder ausgesprochen viele! Einige kannte man aus den vergangenen Jahren, viele kamen neu hinzu. Die Präsenz der Techfirmen und der einzelnen Länder, die im Vergleich zu letztem Jahr wieder weiter ausgebaut wurden, wurden nicht nur auffälliger gestaltet, sie hat auch mehr Talks, Meet-ups und Veranstaltungen. Um die großen Parties (Mashable, Tumblr,…) habe ich dieses Jahr einen Bogen gemacht und mich eher in kleinen Gruppen aufgehalten, denn so lernt man Leute wenigstens ein bisschen kennen.

Besonders die hohe Anzahl europäischer Besucher fiel mir auf. Nicht nur aus Deutschland, auch aus Holland (wurde mir erklärt) reisten wesentlich mehr als zum Beispiel noch im vergangenen Jahr an. Dafür vermisste ich viele Gesichter aus San Francisco. Trend Europakonferenz in Austin? Müssen wir abwarten.

Im kommenden Jahr werde ich mir einen Überblick über die Sessions holen und schauen, ob sich hier und da vielleicht doch ein Tagesticket hole, um mein Wissen zu erweitern. Als Konferenz im Sinne von „Sessions, Sessions, Sessions“ ist es zu viel und zu lang. Zeitumstellung, Halligalli und die große Menge der Informationen machen es fast unmöglich, abends noch zu wissen, was man morgens gehört hat. Darum: Entspannt an die Sache gehen, jeden Tag zwei, max. drei Sessions rauspicken und sich sonst von Austin treiben lassen! SXSW 2015, ich freue mich jetzt schon!

Empfehlenswerte Links & Fotos:

Viele deutsche Medien waren vor Ort und neben täglichen Live-Berichten aus dem German Folks House gab es sehr viele Artikel und Nachberichte, unter anderem hier: Spiegel Online, Hamburg Startups, Huffington Post, BRFAZ, süddeutsche.de, Zeit.de, Creative.Nrw, Reeperbahn Festival, Richard Gutjahr, Buzzrank Curator, cribb.de, Gründerszene und serienjunkies.

Eine Auswahl an Bildern gibt es zum Beispiel hier: Hamburg Startups, Reeperbahn Festival, AP, Dan Taylor, Spin und nochmal Gutjahr.

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1 Antwort zu "Zwischen German Haus und Grumpy Cat – so war die SXSW"

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