Kinder, Karriere und Leben – Ein Plädoyer gegen die Angst

Mein Name ist Nina Diercks. Ich bin 33 Jahre alt. Ich bin Rechtsanwältin und Partnerin der Kanzlei Dirks & Diercks Rechtsanwälte in Hamburg. Vor drei Jahren habe ich den Social Media Recht Blog ins Leben gerufen.  Vor über fünf Jahren habe ich meine erste Tochter bekommen. Vor einem guten Jahr meine zweite. Mein Mann ist Geschäftsführer der CYQUEST GmbH.

Seit Beginn der ersten Schwangerschaft erreichen mich Sätze und Fragen, die Entscheidungen zu unserer Familienplanung in Frage stellen, kritisieren, wenn nicht offen angreifen. Die Gestaltung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist (leider) immer noch keine persönliche Entscheidung, deren gleichwie gestaltetes Ergebnis Akzeptanz hervorbringt, sondern immer noch eine, bei der „die Gesellschaft“ mit spricht. „Die Gesellschaft“ sind Verwandte, Freunde, Kollegen, Vorgesetzte und öffentliche Meinungen.

Warum noch ein Beitrag zum Thema Kind & Karriere?

Nina Diercks referiert zu juristischen und Social Media-Themen (Foto: privat).

Nina Diercks ist seit den ersten Tagen bei den Digital Media Women Mitglied. Als Speakerin referiert sie zu juristischen und Social Media-Themen (Foto: privat).

Jeden Tag werden Artikel und Bücher zum Thema „Kinder & Karriere“ veröffentlicht. Und auch das Schlagwort „Generation Y“ ist allerorten zu finden. Warum meine ich dann, auch noch darüber schreiben zu müssen? Weil mir immer wieder junge Frauen, die mit Mitte/Ende 20 am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen, zwar sehr interessiert, aber auch sehr verunsichert die Frage stellen, wie es denn wirklich ist mit Kindern und einem Beruf. Für diese Frauen ist es unvorstellbar, ihren Beruf aufzugeben. Zugleich wünschen sie sich Kinder. Aber sie finden nichts, woran sie sich orientieren können. Die eigenen Mütter und Mütter ihrer Freude blieben in der Regel zu Hause. Die Sandbergs und von der Leyens dieser Welt mit ihren perfekten Leben und Frisuren sind viel zu weit weg vom eigenen Leben, um als Rolemodel zu dienen. Und die öffentliche Meinung? Eine Hydra mit sieben Köpfen. Sie zischt jedem etwas anderes ins Ohr: Der voll berufstätigen Mama „Rabenmutter“. Der Mama zu Hause „Willst Du Deinen Kopf nicht mehr gebrauchen, Du Dummerchen?“ und der Teilzeit-Mom „Solltest Du Dich nicht besser mal auf eine Sache konzentrieren?“. Nichts ist richtig, alles ist falsch. Und die dazugehörigen Männer werden schon mal besser gar nicht erwähnt.

Was aus dieser Verunsicherung wird, das zeigt der Artikel „Liebes Familienministerium“, in dem eine Mitt-/Enddreißigerin beschreibt, was unsere Generation vom Kinderbekommen abhält. Keiner der einzelnen Punkte ist falsch, vielen ist schlicht zuzustimmen. Und doch zeigen sie in Gänze betrachtet leider auf: Es herrscht Angst in unserer Generation. Angst, ein Kind zu bekommen. Angst, nicht den richtigen Partner oder Job oder beides zu haben. Noch nicht. Besser noch ohne Kind den neuen Job anfangen, die nächste Karrierestufe klarmachen. Sonst droht am Ende der soziale Abstieg. Mit Kind. Die Angst, sich rechtfertigen zu müssen. Die Angst, es sowohl dem Chef als auch dem Kind und den Freunden und den Bekannten und den Verwandten zu 100 Prozent recht machen zu wollen, zu müssen. Es muss schließlich alles immer perfekt sein.

Dem würde ich am liebsten einfach mit dem Artikel „Kopf hoch, tanzen“ von Wolfgang Lünenburger-Reidenbach antworten (tl;dr: Das Leben ist kein Ponyhof. Das ist aber kein Grund, besser nichts zu tun). Aber so einfach ist es nun mal auch wieder nicht für diejenigen, die zweifeln. Wie soll man auch wissen, wie eine Reiseroute aussieht, wenn sie anscheinend kaum jemand je gegangen ist und vor allem, wenn keiner davon erzählt?

Und so möchte ich wider die Angst von mir erzählen. Ich möchte Mut machen. Mut, sich einfach selbst zu überlegen, wie das (Berufs-)Leben aussehen könnte mit Kind. Mut, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Mut, nicht immer perfekt sein zu wollen und allen vermeintlichen Ansprüchen genügen zu müssen. Mut, sich auf dieses großartige Abenteuer einfach einzulassen. Glücklich darüber zu sein, wenn aus dem Kinderwunsch ein echtes kleines Baby wird (denn das ist auch heute allem medizinischen Fortschritt zum Trotz nicht selbstverständlich). Und den Mut nicht zu verlieren, auch wenn der Wind immer wieder scharf von vorne kommt.

Der Wind kommt (immer noch) scharf von vorne

Allen Berichten über Generation Y und den schön gefärbten Broschüren und Webseiten der Unternehmen zum Trotz, kommt der Wind in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter scharf von vorn. Müttern wird zumeist gerade mal eine Teilzeit-Tätigkeit zugetraut, natürlich eher als Sachbearbeiterin, denn in Leitungsfunktion. Der Gedanke, dass Väter auch wichtige Rollen im Familienleben übernehmen können und wollen, kommt immer noch den wenigsten. Und es beginnt sogar schon vor der Geburt. Hier einige Auszüge.

„Das Kind war aber nicht geplant? Du bist doch noch in der Ausbildung!“. Diesen Satz hörte ich im Geburtsvorbereitungskurs in Hamburg-Winterhude. Ich war 27 Jahre alt, hatte ein abgeschlossenes Jura-Studium und einen Master, im Ausland erworben, in der Tasche. Mein Referendariat war zum Zeitpunkt des Mutterschutzes ungefähr zur Hälfte absolviert. Diese Tatsache zusammen mit meinem „jugendlichen“ Alter, ließ die Schwangerschaft in den Augen der anderen Mütter unverantwortlich erscheinen und den Grundstein für meine Karriere im Prekariat legen. Zu ungewöhnlich war es offensichtlich, dass sich eine junge Frau mit 27, bevor sie ihr „Leben gelebt“ hatte, entschied ein Kind haben zu wollen und  sich auch noch sicher war, dass dieses Kind dem Abschluss der Ausbildung und dem Beginn ihrer Karriere nicht im Wege stehen werde.

Das Referendariat endet mit der mündlichen Prüfung im 2. Staatsexamen. Im Vorgespräch zu eben dieser bekam ich vom Prüfungsvorsitzenden den Satz „Rechtsanwältin? Wie wollen Sie das denn machen als Frau und Mutter!?!“  zu hören. Das ist leicht als die anachronistische Weltanschauung eines bald pensionierten Richters abzutun. Aber er sollte leider in Teilen Recht behalten. Es war – entgegen meiner Annahme – wirklich schwer den Berufseinstieg zu finden. In jedem Vorstellungsgespräch kam die Frage auf „Und wie machen Sie es mit Ihrer Tochter?“. Einmal fragte ich zurück, ob sie die gleiche Frage auch dem Vater stellen würden. Daraufhin antwortete eine Frau (!) „Warum gehen Sie so an die Decke? Als Mutter bleibt man ja zu Hause, wenn das Kind krank ist. Und Sie sind als Frau nun mal ein Risiko für uns.“. Ich war sprachlos und realisierte erst später, dass ich an diesem Punkt hätte einfach aufstehen und gehen sollen.

Ich habe schließlich eine sehr gut bezahlte Anstellung gefunden. Glücklich war ich nicht. Arbeiten nach klarer Vorschrift, Eigeninitiative nicht gewünscht. Zu dem Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten hieß es „Wie stellen Sie sich das denn vor?!“. Zum Bastelnachmittag in der Kita musste ich mir freinehmen, egal wie viel ich sonst gearbeitet hatte. Halbherzig bewarb ich mich woanders, nur um die gleichen Fragen zu meiner Tochter zu hören und um endgültig zu beschließen, den Sprung ins eiskalte Wasser zu wagen. In die Selbstständigkeit.

Nina Slides

Den eigenen Weg finden für Beruf & Elternschaft

Selbstständigkeit bedeutet für mich, dass ich beispielsweise just in diesem Moment zu Hause arbeiten kann, während mein zahnendes Kind schläft. Heute Vormittag war mein Mann zu Hause und ich im Büro. Wir leben damit in dem glücklichen Zustand, dass wir uns nur untereinander und mit unseren jeweiligen Geschäftspartnern abstimmen müssen. Das erleichtert die Organisation in Krankheitsfällen genauso wie hinsichtlich all der schönen Momente wie im Winter 20011/12 als wir die zugefrorene Alster an einem Montagnachmittag beinahe für uns alleine hatten. Die Selbstständigkeit ist natürlich nicht für jeden die Lösung, um Familie und Beruf zu tarieren. Viele kriegen alleine bei dem Gedanken Angstzustände. Aber darum geht es nicht, es geht hier darum, für sich selbst den richtigen Weg zu finden und hartnäckig auf der Suche zu bleiben, wenn er noch nicht da ist. Sich das Umfeld zu schaffen, das gut tut. Das kann, das muss auch in einem Unternehmen funktionieren. Schließlich spricht die demografische Entwicklung für uns und die Forderung nach mehr Flexibilität und Rücksichtnahme auf die Elternschaft. Letzten Endes geht es nicht nur darum, die Elternschaft dem Berufsleben bedingungslos anzupassen, sondern Elternschaft und Berufsleben unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Tag eben nur 24 Stunden hat, so zu kombinieren, dass man selbst und alle Beteiligten glücklich sind.

Verändert das Muttersein die Einstellung zum Beruf?

Damit sind wir bei der Frage, die der endgültige Auslöser für diesen Text war. Eine junge Frau, Mitte 20, die nach dem Studienabschluss gerade den Berufseinstieg bei einem großen Konzern begonnen hatte, sprach mit mir auf einer Networking-Veranstaltung über Kinder und Karriere. Sie fragte: „Hat sich Deine Einstellung zum Leben, zu Deiner Karriere geändert, als Du ein Kind bekommen hast?“. Ich war ganz perplex, so unverständlich schien mir die Frage. Ich antwortete schließlich wie folgt: „Würdest Du diese Frage auch meinem Mann stellen?“. Mein Mann war ebenfalls auf der Veranstaltung und stand deswegen nur drei Meter entfernt in ein anderes Gespräch vertieft. Die junge Frau verneinte. Ich antwortete, dass eben dies die Misere auf den Punkt bringe. Warum glaubt sie, mir diese Frage stellen zu müssen? Weil sich bei einem Mann nichts ändert, wenn er Vater wird? Oder weil sich bei einer Mutter die Einstellung ändern muss?

Ich bleibt Ich

Es wäre gelogen zu sagen, dass sich mit einem Kind nichts verändert. Aber die Einstellung zum Leben und zum Beruf, die hat sich bei mir nicht geändert. Ich wollte vor der Geburt meines ersten Kindes Kinder und einen Beruf. Wegen dieses Berufes hatte ich bereits fünf Jahren Studium, einen Auslandsaufenthalt und ein zur Hälfte absolviertes Referendariat hinter mich gebracht. Doch nicht nur das. Das, was ich tat und was ich heute tue, macht mir Freude. Es ist Teil meiner Persönlichkeit. Und einen Teil der Persönlichkeit kann man schlecht aufgeben, weglegen oder einfach so verändern. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass dies durch ein Kind geschieht. Und so war es. Mit meiner ersten Tochter trat etwas Neues in mein Leben und zu meiner Persönlichkeit hinzu, das Muttersein.
Mein Ich, meine Träume und Ziele, die sind geblieben. Sie sind erweitert um meine Kinder, die ich mehr liebe, als ich zu beschreiben im Stande bin. Und dennoch kann und will ich mich nicht die nächsten 20 Jahre ausschließlich um die Belange meiner Kinder kümmern. Denn abgesehen davon, dass ich persönlich „Helicopter-Parenting“ als nicht die beste Erziehungsmethode erachte, würde ich damit einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit, der vom ewigen Streben nach Unabhängigkeit geprägt ist, vernachlässigen. Gut wäre das nicht. Nie möchte ich auf die Frage, wie es mir geht mit „Toll, meine Tochter hat ihr Seepferdchen gemacht!“ antworten.  So wie es eine Freundin von mir tat. Es gab diese Freundin nur noch über und durch ihre Tochter. Sie selbst war nicht mehr da. Aber wenn ich selbst nicht mehr da bin, wie soll ich dann für meine Kinder da sein?

Das Leben ist nicht vorbei

Eine Anwältin Mitte 40, die eine dreijährige Tochter hat, rief angesichts meines Alters aus „Mit 27 hätte ich kein Kind haben wollen, mit 27 habe ich gelebt!“  Ich erwiderte, dass ich dafür mit 40 das Windelnwechseln beider Kinder lange hinter mir gelassen habe und wieder Raum für große Vorhaben wie eine Paddeltour durch Kanada bleibt. Was sollte ich außer diesen offensichtlichen Tatsachen auch sagen? Denn die Aussage, die hinter diesem Satz steht, empfinde ich einfach nur als schrecklich traurig. Zu traurig, um einer mir nur mäßig bekannten Frau die Frage zu stellen, ob sie etwa seit der Geburt ihres Kindes nicht mehr lebt?

Mein Leben war mit 27 nicht vorbei. Es hat sich verändert. Und wie! Gefühle für erst einen, dann einen zweiten kleinen Menschen, die man leider nicht beschreiben kann. Die Dankbarkeit durch Kinderaugen immer wieder Neues entdecken zu können. Das Gefühl von warmen Apfelkuchen im Bauch, wenn man sich abends zusammen ins Bett kuschelt und die Kinder beim Vorlesen einschlafen. Das Glück diesen kleinen Menschen die Hand zu reichen, sie ins Leben führen zu dürfen und Ihnen dabei zuzusehen, Teil davon zu sein. All dies, was man einfach nicht näher beschreiben kann, sondern erleben muss, führt tatsächlich dazu, dass all die Mühen der Elternschaft immer weniger schwer wiegen als das Glück, dass es mit sich bringt.

Das Leben mit Kindern ist eben einfach rosarot und glitzert, auch wenn ständig Rotze drüber läuft.

Noch anders ausgedrückt: Es ist wohl wie mit Heroin (jedenfalls nach allem, was man darüber hört). Wenn Du es einmal erlebt hast, willst Du immer mehr davon – egal um welchen Preis.

Komm, und wie ist es nun in echt?

Bei allem rosa Glitzer, es gibt den zu zahlenden Preis: Müdigkeit ist ein treuer Begleiter. Am Anfang ist es die Hölle. Im umnebelten Gehirn wächst die Erkenntnis, warum Schlafentzug eine anerkannte Foltermethode ist. Die Vorstellung, sich einfach und spontan noch mit irgendjemandem auf ein Glas Wein treffen zu wollen, ist dann geradezu absurd. Doch auch wenn irgendwann alles einen (einigermaßen) regulären Lauf nimmt, der Tag wird immer zu kurz bleiben. Kindererziehung ist kein Ponyhof. Kinder funktionieren nicht, sie sind. Fällt die Entscheidung für Kinder und den Beruf, dann bleibt immer etwas auf der Strecke, meistens die Zeit für einen selbst (Wann war ich zuletzt beim Friseur?!?). Damit alle glücklich bleiben, muss man immer wieder kämpfen, sich neu sortieren. Das Wort „Organisation“ bekommt eine völlig neue Bedeutung, insbesondere dann, wenn Unvorhergesehenes, wie ein Fieber-Kind, den Tag begrüßt. Im Übrigen kann selbst schon der angekündigte Mitarbeiter-Fortbildungstag in der Kita für unangenehme Verwerfung in der Organisations-Landschaft sorgen. Auch der Begriff  „Ordnung“  muss in Bezug auf die Wohnung neu definiert werden. Kurz, es ist ein ewiges sich nach der Decke strecken. Einfach mal nichts tun, was ist das? Einfach mal arbeiten, ohne gehetzt auf die Uhr zu sehen, wie geht das?

Fakt ist aber auch: Ich habe mir dieses Leben gemeinsam mit meinem Mann so ausgesucht. Und es macht mich glücklich. Ja klar, manchmal blicke ich sehnsüchtig einer Vollzeit-Mami hinterher. The gras is always greener on the other side. Da ich jedoch weiß, dass das Gras dort drüben in echt nicht grüner ist, sondern nur anders und, wie ich finde, schlechter schmeckt, geht der Moment auch schnell wieder vorbei. Spätestens, wenn ich an einem Tag beruflich kniffelige Probleme lösen konnte  und anschließend meine Frösche giggelnd und glucksend in die Badewanne gesteckt habe, ist die Welt rosarot. Extra-Glitzerstaub on top, wenn dem ein Glas Wein auf der Terrasse mit meinem Mann und/oder guten Freunden folgen kann.

In echt ist es einfach so, dass die Entscheidung für ein Kind die beste Entscheidung meines Lebens war. Sonst gäbe es jetzt nicht diese zwei und all die vielen Momente, an denen ich vor lauter Glück am liebsten schreiben möchte. (Und versichere hiermit anwaltlich, da kommt kein Schuhkarton von Zalando ran!).

Last but not least

Dem einen oder anderen mag es aufgefallen sein. Ich hab hier weniger von der Mutterschaft als immer wieder von der Elternschaft geschrieben. Das hat einen guten Grund. Ich glaube, dass es für eine glückliche (annähernde) Vollzeit-Berufstätigkeit jeweils eines Partners bedarf, der den Wunsch nach gleichberechtigter Berufstätigkeit und Kindererziehung wirklich teilt. Denn Beruf, Haushalt und Kinder gänzlich allein zu managen, ist absolut substanzraubend. Mein Respekt gilt all denjenigen, die keine Wahl haben und das täglich tun müssen.

Und schließlich: Zahlreiche Frauen und vermutlich auch Männer werden sich – so ist es nun mal in Deutschland – bemüßigt fühlen, einzelne Teile aus diesem Text herauszubrechen, zu diskutieren, zu kritisieren und meine Lebensentscheidung anzugreifen. Nur zu. Ich habe mich entschieden und werde das nicht diskutieren.

Dieser Text ist einfach nur für alle Frauen, die auch einen Beruf und Kinder wollen, aber sich (noch) nicht trauen. Er soll Mut machen.

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[Edit by Redaktion] Und das sagt Ninas Mann Jo zu Ninas Beitrag:

„Nina und ich haben uns für einen Weg entschieden, der da heißt: Kinder (ja, zwei) UND berufstätig (und zwar Vollzeit, beide). Das ist unser Weg und wir gehen diesen trotz aller Unsicherheiten und trotzdem wir nirgendwo einen fertigen Fahrplan gefunden haben, geschweige denn andere, an denen man sich zumindest orientieren kann.

Im Gegenteil: Andere blicken auf unser Lebensmodell und bewerten dieses für sich positiv oder negativ (was legitim ist) bzw. kommentieren dieses positiv oder negativ (was dann doch bitte zu unterbleiben hat). Wir haben aber auch festgestellt, dass viele einfach neugierig sind und sich ernsthaft fragen, wie denn die zuweilen widerstreitenden Motive “ich will Familie” und “ich will mich beruflich verwirklichen” unter einen Hut zu bekommen sind. Vor dieser Frage stehen viele, in erster Linie oft noch die Frauen, zunehmend aber auch die Männer.“

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61 Antworten zu "Kinder, Karriere und Leben – Ein Plädoyer gegen die Angst"

  1. Teresa Sickert sagt:

    Ich finde es gut jungen Frauen Mut zu machen, sich für Beruf und Kinder zu entscheiden. Leider ist das eine typisch „westdeutsche“ Sichtweise. Ich bin in den neuen Bundesländern aufgewachsen. In meinem Umfeld gab es keine (!) Mutter, die nicht einem Beruf nachgegangen ist! Für mich (und ich glaube viele andere Frauen auch) hat sich daher nie die Frage einer Entscheidung zwischen Kind un Karriere gestellt. Es ist selbstverständlich.

    • Nina Diercks sagt:

      Stimmt! Leider. Die Herkunft aus dem östlichen Teil der Republik lässt sich (fast) immer an Gesprächen über Kinder und Beruf und der relaxten und unkomplizierten Haltung erkennen. Soweit sind wir hier eben noch nicht. *sigh.

    • Barbara sagt:

      Dieser Text spricht mir aus der Seele.
      Ich bin 35 Jahre alt, habe zwei Töchter (6 und 4 Jahre) und bin seit zwei Jahren selbständig. Ich habe mein Büro Zuhause, heißt kann für meine Mädels da sein, schupfe zudem Haushalt und meine Arbeit, mein Mann steht voll hinter mir/uns.
      Akzeptanz von außen ist nicht immer da, aber auch das ist mir egal.
      Zum Satz: Ich habe mich entschieden und werde das nicht diskutieren kann ich nur sagen: der könnte von mir sein!
      Daumen hoch – großen Respekt !!

  2. Michaela sagt:

    Wunderbar!

    Mit Erschrecken stelle ich fest, dass viele junge Frauen (und Männer), das Kinder bekommen als reines Projektmanagement mit Road Map betreiben. Das erzeugt unzufriedene Eltern und unglückliche Kinder.

    Ich bin froh sehr jung Kinder bekommen zu haben. GELEBT habe ich immer 🙂
    Und wer meint, dass das Leben mit Kindern vorbei ist oder für eine lange Weile auf Eis gelegt wird, sollte vielleicht besser keine bekommen.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Michaela,

      vielen Dank. Ja, den Eindruck habe ich auch. Da wird in der Schwangerschaft Mozart gehört und die Anmeldung für PeKiP, Früh-Mandarin und Baby-Yoga noch vor der 36. SSW abgegeben…. in der ersten Klasse muss es dann Klavier, Reiten und Hockey sein. Man will dem Kind schließlich alle Möglichkeiten bieten! Ach so. Ergotherapie gibt es auch. Denn das Kind ist so gestresst (Mama auch). Würde ich drüber lachen, wenn es nicht oft so traurig wäre.

  3. Steffen Roßkamp sagt:

    „Aber wenn ich selbst nicht mehr da bin, wie soll ich dann für meine Kinder da sein?“ Ich finde diesen Satz sehr wichtig. Vor Allem im Zusammenhang mit der Zukunft in die man seine Kinder schicken will.

    Es gibt immer mehr Menschen die sich wünschen das ihre Kinder in einer aufgeklärteren, gleichberechtigten Zukunft leben. Doch nur durch’s Wünschen wird das nichts werden. Man muss das den Kindern auch vorleben, so wie Sie es offenbar tun. Danke!

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Steffen,

      Danke für den Kommentar (vor allem weil er von einem Mann kommt). Ich denke auch, dass es für die Kinder wichtig ist. Aber ebenso wichtig ist es mE für die Frauen selbst ein Leben zu führen, dass ihre eigenen Wünsche und Interessen berücksichtigt. Wenn es ein Beruf ist (Teil- oder Vollzeit), gut. Und wenn es wirklich Wille und Wunsch ist, sich 20 Jahre lang ausschließlich zu widmen, dann soll und auch gut. (Kenne zugegebener Maßen aber nur sehr wenige, die das nach 3 Gläsern Prosecco immer noch mit voller Überzeugung sagen…)

      • Steffen Roßkamp sagt:

        Hallo Nina

        Was ich sagen wollte (ich bin nicht ganz so gut im Ausdrücken dessen was ich denke): Das Schöne an echter Gleichberechtigung ist ja auch, das Partner sich nicht gegenseitig oder von der Gesellschaft in fertige („althergebrachte“) Rollen pressen lassen, sondern ihre „Rollen“ in der Beziehung untereinander (und auch immer wieder neu) definieren können. Die Gesellschaft ist was das angeht leider noch lange nicht soweit. Aber davon sollten sich Paare nicht entmutigen lassen Gleichberechtigung untereinander zu leben, sich der Richtigkeit dieses Handelns bewusst zu sein und das auch gern (wie mit deinem Beitrag) der Gesellschaft mitzuteilen, anderen Mut zu machen und eben jener Gesellschaft zu sagen: „Ja, das funktioniert, auch wenn ihr es nicht wahr haben wollt.“ Auf das die Gesellschaft hoffentlich dazulernt.

        Ich denke sogar das beide von dir genannten Interessen sich nicht gegenüberstehen, sondern sogar bedingen. Wen man einen Großteil seines Lebens nicht so lebt wie man das eigentlich möchte, macht das (auf Dauer) unglücklich.
        Und ich vertrete die Meinung das Kinder wesentlich mehr von der Gefühlswelt ihrer Eltern mitbekommen, als viele wahr haben wollen. Insofern färbt das Unglücklichsein auch nur eines Elternteils auch auf die Kinder ab, egal wie derjenige das vielleicht versucht zu verbergen.
        Das ist m.M.n. beinahe noch schlimmer als Eltern(teile) die ihren Kindern irgendwann (ggf. auch unter Einfluss von ein paar Prosecco) offen vorhalten, sie hätten wegen ihnen ihre Karriere aufgeben müssen – auch wenn ich bei derlei Aussagen immer nur ungläubig den Kopf schütteln kann.

        • Nina Diercks sagt:

          Hallo zum 2. Mal,

          Das unterschreibe ich nun alles ohne jegliche Einschränkungen! Das ist nicht schlecht, sondern sehr, sehr gut ausgedrückt. 🙂 My2cent jedenfalls.

        • Ralf sagt:

          Hallo Steffen!

          Auch von mir herzlichen Dank für deinen Beitrag! Ich gebe Dir absolut recht, dass unglücklich sein sich subtil auf die eigenen Kinder abfärbt. Das ganze lässt dann eine Down Spirale in Gang kommen, denn ein unglückliches Kind, lässt den Elternteil der Unglücklich ist wiederum unglücklicher werden. Und das schlimme daran, den meisten Betroffenen ist genau das nicht bewusst! Sorry, etwas kompliziert ausgedrückt;)

          Lieben Gruß
          Ralf

  4. Christiane sagt:

    Danke Nina,
    für diesen schönen Artikel! Ich bekomme die schwierige Vereinbarkeit von Kind und Karriere oft in unserem Kölner Orga-Team mit und habe den größten Respekt vor den Mädels, die Vollzeit arbeiten, parallel einen Themenabend komplett in allen Phasen mitorganisieren und nebenbei noch die kranken Kinder daheim versorgen. Sie alle haben, so bekomme ich das mit, den vollen Rückhalt durch ihre Männer, und interessanterweise sind alle Mütter im Team selbständig.

    Auf einer Weiterbildung habe ich vor Kurzem eine junge Dame kennen gelernt, die arbeitssuchend ist. Sie erzählte mir, dass sie vorher eine Filiale einer großen Restaurantkette geleitet hat. Als sie Kinder bekam, musste sie gehen, weil sie nicht flexibel genug sein konnte. Das hat mich schon wirklich geschockt.

    Ich selbst denke derzeit noch nicht an Kinder, aber wenn, dann plane ich, vorher nach Schweden auszuwandern, wo diese Balance selbstverständlich ist und der Staat die Familien rundum unterstützt. Ein Armutszeugnis für unser Land, wie ich finde.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Christiane,
      gerne. Aber zu Deinen Auswander-Plänen: Nein, nein, nein. Das geht, das muss auch hier gehen! Wir brauchen mehr berufstätige Mütter, die sich nicht von der „Rabenmutter-Hysterie“ oder unsinnigen Parolen der „totalitären Erwerbsarbeit“ (Blüm dies Wochenende in der FAS #kopfschüttel) abschrecken lassen, sondern offensiv für ihr Glück mit Kindern und Beruf eintreten. 🙂

  5. Christa sagt:

    Danke, das ist ein sehr schöner Artikel, der die Facetten von vielen Seiten beleuchtet. Ich wünsche Nina, dass die Paarbeziehung das über viele Jahre hin aufrechterhält. Warum ich das sage, geht auf meine eigene Erfahrung zurück:
    Ich habe vor 30 Jahren geheiratet unter der Prämisse, Haushalt und Arbeit mit Kindern wird geteilt, Frau ist definitiv keine „Hausfrau“, sondern hat eigene Interessen und einen Beruf. Dann kam vor 22 Jahren das erste Kind und da machte ich den größten Fehler meines Lebens: Ich blieb für den Erziehungsurlaub zuhause. Aus verschiedenen beruflichen und familiären Gründen habe ich in den folgenden 10 Jahren insgesamt nur 2 Jahre in Teilzeit gearbeitet, bis ich mich 2002 selbständig gemacht habe. Aus einem „neuen Mann“ bei der Hochzeit war inzwischen ein traditionell denkender Mann geworden. Das ließ sich auch nicht mehr ändern …
    Deshalb begrüße ich den Mutmach-Artikel: Kinder sind eine große Bereicherung und ich möchte meine niemals missen. Frau darf die eigenen Wünsche und Pläne aber niemals aufgeben, denn im Nachhinein sind sie nicht mehr realisierbar. Die Widerstände sind aber nicht nur im gesellschaftlichen Umfeld zu suchen, sondern beginnen schon in der Partnerbeziehung – von vorne herein klare Verhältnisse zu schaffen und diese auch konsequent durchzuhalten. Aus einem verwöhnten Mann wieder einen „neuen“ Mann zu machen, ist vermutlich unmöglich.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Christa,

      herzlichen Dank für diesen sehr persönlichen Kommentar. Du hast vollkommen Recht, man (frau) muss sich mit dem Partner bevor Kinder kommen klar über die Vorstellungen wie das Leben mit Kind – und eben Beruf – aussehen kann unterhalten. Aber genau das habe ich mit meinem letzten Artikel-Abschnitt auch zu sagen versucht.

  6. Thomas Reis sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag, dem ich voll zustimme. Es ist wirklich ein Armutszeugnis für die meisten Männer, es als revolutionäre Erkenntnis zu betrachten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Aufgabe für beide Elternteile ist. Auch den vergleichsweise frühen Zeitpunkt Ihrer Entscheidung für Kinder halte ich für richtig. Ich meine sogar, dass die Gesellschaft einen noch früheren Zeitpunkt unterstützen sollte. Wann könnte man seine Zeit flexibler einteilen, als beispielsweise in einem Studium? Je früher die Unterstützung angeboten wird, um so weniger Aufwand ist nötig, um den gleichen Effekt zu erzielen.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Thomas,

      ja, es wäre toll, wenn Kinder einfach wieder normal im Leben dazu gehören würden und nicht so ein Bohei darum gemacht und suggeriert werden würde, dass Leben sei vorbei. Dann würden sich vermutlich mehr junge Leute für Kinder entscheiden. Dass es in jedem Fall das Beste ist, Kinder (sehr) früh zu bekommen, würde ich aber auch wieder nicht zwingend unterschreiben….

  7. […] Digital Media Women » Kinder, Karriere und Leben – Ein Plädoyer gegen die Angst […]

  8. Martina sagt:

    Ein wirklich toller Artikel und nein, er ist nicht einer unter vielen anderen Artikeln. Was ich an diesem Beitrag so bemerkenswert finde ist, dass beide Facetten – Beruf und Kinder – wirklich gleichberechtigt erscheinen. Oft findet man nur Stereotypen, die bedient werden. Der für mich persönlich vielleicht beste Satz in diesem Artikel, da so spürbar authentisch, ist die Beschreibung eines Tages, der eben nicht nur aus Arbrit besteht, sondern auch die Freude beschreibt, seine Kinder selber in die Badewanne stecken zu dürfen. Aus diesem Satz spricht gefühltes Glück. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Wann immer man davon hört, dass das Zusammenspiel von Familie und Beruf wirklich gelingt, dann steht dahinter eine Frau, die den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hat. Die Realität der Frauen in Anstellungsverhältnis ist tatsächlich weniger erfreulich. Doch wenn es noch mehr so Frauen gibt wie Nina Dirks, dann kann sich ja auch dies noch ändern.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Martina,

      jein. Ich glaube, es gibt bisher nur zu wenige Angestelltenverhältnisse, in denen auf die Belange von Elternschaft Rücksicht genommen wird. Aber es gibt sie. Immer mehr Unternehmen wird bewusst, dass es ein Asset ist, mit dieser Haltung (und dem Bau von Betriebskindergärten etc.) voranzugehen. Und: Immer leicht ist es mit der Selbstständigkeit auch nicht. Es hat seine Vorteile. Aber es wäre gelogen, wenn ich nicht manchmal heimlich gestöhnt hätte „Oh man, jetzt einfach einen gelben Schein abgeben und irgendwer anders müsste meine Arbeit irgendwie machen“ 😉 Denn ich mach das dann eben Abends oder zu irgendeiner anderen geklauten Zeit. Ich bin auch sicher, das wird. Auch in Angestelltenverhältnissen. 🙂

  9. Martina sagt:

    Liebe Nina,

    ich kenne die „Problematik“ der Angestellten nur aus Erzählungen, denn ich bin selbst schon lange Selbstständig und habe es noch kleineren Tag bereut. Ich genieße die damit verbundene Freiheit sehr, auch wenn der Preis dafür – wie du ja auch schreibst – eben am Abend arbeiten und kein gelber Zettel sind.
    Aber es freut mich, dass du eine positive Entwicklung siehst, was die Betriebe in Deutschland angeht. Unsere Töchter, von denen ich direkt zwei habe, haben es dann hoffentlich ein bisschen leichter.

  10. […] hatte sie sie auch gar nicht.) Es läuft nicht alles perfekt. Aber es läuft. Die Lektüre ihres Textes macht Hoffnung nach all den pessimistischen Reden von Frauen und Männern, die darauf warten, dass […]

  11. Gelungener Artikel – erinnert mich an unser Gespräch und Abend in Berlin beim DMW-Treffen! Hoffentlich bis bald mal 🙂

  12. Kathrin sagt:

    Liebe Nina, vielen Dank für diesen wunderbaren und deutlichen Artikel. Selbst 34jährig, freiberuflich tätig und mit „eineinhalb“ Kindern am Start, unterschreibe ich so ziemlich jeden deiner Sätze! Und in Bezug auf die Sache mit den Vorbildern, möchte ich hinzufügen, dass wir als in Leipzig lebende Familie hieran keinen Mangel haben. Hier (wie wohl im ganzen Osten) herrscht einfach eine Kultur, ein gewachsenes Selbstverständnis, das Vokabeln wie „Rabenmutter“, „erstmal leben“ etc. nur von den süddeutschen Zuwnaderern kennnt… 😉 Dankenswerter Weise kenne ich in meinem persönlichen Umfeld keine einzige Familie, die das Kinder haben und Berufstätigsein beider Eltern als Widerspruch oder kritikwürdig empfindet. Selbstverständlich wird unter Freunden oft über’s „WIE“ diskutiert aber nie über’s „OB“. Und die paar wenigen, die auch Mitte 30 noch keine Kinder haben, sind entweder traurig darüber (weil’s einfach nicht klappen will) oder haben sich bewusst gegen Kids entschieden, weil sie schlicht keine eigenen mögen, was ja auch ok ist.

  13. Frauke sagt:

    Ein toller Artikel mit viel spürbarer Leidenschaft für die Kinder und den Beruf, vielen Dank!!!
    Ich habe selbst mit 27 das erste, mit 30 das zweite Kind bekommen, gehörte damit – zumindest in HH – zu den jüngeren Frauen. Seit ich Mutter bin, habe ich mehrfach festgestellt, dass Erziehung und die Einstellung zum Job von A bis Z gehen, in meinem Freundeskreis sind alle „Buchstaben“ vertreten und ich habe das Glück, mich nicht (ok: selten) rechtfertigen zu müssen. Im Moment arbeite ich Teilzeit in einem anspruchsvollen Job und bin meinem Unternehmen, meiner Chefin und meinen Kolleginnen (50% Mütter, 50% kinderlos) sehr dankbar für die große Flexibilität bzgl. Arbeitszeiten, Arbeitstagen und Homeofficemöglichkeit. Ich bin über meine vertraglichen Stunden hinaus fast immer per Mail erreichbar, erledige viel zwischendurch vom Spielplatz aus oder während ich darauf warte, dass meine Tochter vom Sport kommt (ist das der Preis für einen attraktiven Job in TZ? Ich weiß es nicht, auch nicht, ob das auf Dauer gut ist!). Obwohl ich „nur“ Teilzeit arbeite, versuchen mein Mann und ich, das meiste partnerschaftlich aufzuteilen. Wird ein Kind nachts krank, überlegen wir gemeinsam, wer am nächsten Tag die wichtigeren Termine hat bzw. einer fängt früh an und löst den anderen mittags ab. Wir haben keine Omas und Opas in der Nähe, daher ist es für uns so wichtig, dass beide Arbeitgeber da auch „mitspielen“. Vollzeit kann ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Zumindest nicht Vollzeit + übliche Überstunden. Vor allem aus organisatorischen Gründen: Meine Kinder haben nachmittags nach dem Kindergarten und Schule/Hort noch Schwimmen, Leichtathletik, Musik und entwickeln gerade ein sehr eigenständiges gesellschaftliches Leben: spontane Verabredungen, Kindergeburtstage etc. Ich frage mich: wer würde die Kids an solchen Tagen von A nach B bringen, wieder abholen, zwischendurch noch schnell das Nachbarskind mit zum Schwimmen nehmen (dafür kann mein Sohn dann am nächsten Tag bei der Nachbarin bleiben, wenn ich mit meiner Tochter zum Zahnarzt gehe)? Wir haben ein gut funktionierendes Freunde-Netzwerk, das bedeutet aber auch, dass ich meiner Freundin natürlich auc helfe, wenn es bei ihr beruflich eng wird, dann hab ich an einigen Tagen nach der Arbeit eben 4 Kinder im Haus. Es gibt Tage, die sind so durchorganisiert, da muss ich zwischendurch innehalten, um sicherzugehen, dass abends die richtige Anzahl und auch die richtigen Kinder bei uns am Tisch sitzen 🙂 Mich interessiert sehr, wie so etwas bei Vollzeit-Eltern funktioniert, sobald die Kinder Aktivitäten/Verabredungen außerhalb der Kita-Betreuung beginnen, wer übernimmt das alles, wenn nicht die Großeltern Zeit (und Lust) dazu haben? Unserer Leihoma, die an meinem „langen“ Tag die Kinder betreut, mag ich das nicht zumuten.
    Bei allem Chaos und hin- und her: ich bin froh, dass ich beides habe: Kinder und einen tollen Job, und ich genieße es, zwischen diesen Welten „zu wechseln“. Ich freue mich morgens aufs Büro und nachmittags bzw. abends auf die Familie.
    Der Satz „Mit 27 hätte ich kein Kind haben wollen, mit 27 habe ich gelebt!“ trifft mich sehr, nicht für die Mutter, sondern eher für das Kind. Denn es stimmt so sehr: wer das Gefühl hat, mit einem Kind nicht mehr zu leben, sollte sich die Entscheidung Kind ja/nein ganz besonders gut überlegen, denn nur wenn ich selbst lebe, kann ich meinen Kindern ein lebenswertes Leben bieten!
    Vielen Dank, Nina, für diesen tollen Beitrag. Obwohl bei mir die Entscheidung ja schon gefallen ist, ich also nicht unbedingt zur Zielgruppe gehöre: das alles zu lesen, tut trotzdem gut!!!
    Liebe Grüße,
    Frauke

  14. Hanna sagt:

    Sehr guter Artikel!
    Ich (29) selbst habe zwei Kinder, 8 und 2, und gerade mein Studium abgeschlossen und bin in der Bewerbungsphase… Und es trifft sowas von zu was du schreibst aus deinen Erfahrungen.
    Ich will mich nicht verstellen. Für mich ist es normal… ich fühle mich als Mutter und ich fühle mich als Frau, als Frau, die auch eigene Wünsche hat. Aber es ist als wäre ich machtlos. Es geht nicht um meine Qualifikationen, nicht um das was ich will.
    Nein es geht nur darum dass ich zwei Kinder geboren habe. Frauen müssen sich für ihre Gebärmutter entschuldigen so kommt es mir vor.

  15. Sonja sagt:

    Hallo Nina,
    einfach nur: Danke! Für diesen Artikel, für die richtigen Worte und die Frage „Würden Sie das auch (m)einen Mann fragen“.
    Herzliche Grüße!

  16. Hallo Nina,
    DANKE, von einer Mutter, die das Grass auf allen Seiten geschmeckt hat, Vollzeit, Teilzeit, Selbständig. Es ist auf keiner Seite grüner- aus der Ferne schimmert es nur satter!
    Viele Unternehmen, gerade aus der digitalen Wirtschaft, wollen heute mehr Frauen einstellen.
    Hier erlebe ich Offenheit und die notwendige Kreativität für Lösungen. Mit GOODplace.org, meinem Herzensprojekt, biete ich Unternehmen eine Plattform Lösungen rund um das Thema bessere neue Abeitswelt vorzustellen.

    • Christine sagt:

      Das tat gut zu lesen! Viele Zeilen sprechen mir direkt aus dem Herzen. Ich (29) habe meine zwei Töchtern (6 und 4) im Studium bekommen und schon dort waren Sprüche wie: „Entschuldigung, dass ich dich das frage, aber waren die Kinder geplant?“ des öfteren zu hören. Ich kämpfe mich gerade durch den Berufseinstieg, was nicht ganz so einfach ist. Um mich herum gibt es deutlich jüngere Uni Absolventen, mit Auslandsaufenthalten und diversen Praktika die sich jederzeit gerne erst einmal unbezahlt für 6 Monate Vollzeit bei einem Unternehmen versklaven. Undenkbar für mich. Mein Mann ist in Vollzeit selbstständig, ich versuche einen Berufseinstieg in Teilzeit. Meine Große kommt in ein paar Wochen in die Schule, für uns ist gerade alles gemeinsam neu. Auch eine Tatsache die ich mag an meinem Leben. Hier ist nichts fertig, hier bewegt sich etwas. Jeden Tag aufs neue und so wachsen wir gemeinsam. Ich freue mich, dass dies unser Weg ist und bin mir sicher: Wenn Arbeitgeber mehr familienfreundliche Modelle schaffen, ernten sie zufriedene, ausgeglichene und produktive Arbeitnehmer.

  17. […] Wer gelegentlich mal beim Recrutainment Blog vorbeischaut, der weiß, dass das Thema Diversity hier seinen festen Stammplatz hat. Speziell in letzter Zeit tauchten Diversity-Themen in recht dichter Folge auf – nicht in Form des “Birkenfeld-Fundstücks“, das für Personalmarketing-Verhältnisse ja fast so eine kleine “Shit-Brise” ausgelöst hat und den Beitrag meiner Frau im dmw-Blog mit dem Plädoyer für mehr Mut in Bezug auf die Vereinbarkeit von K…. […]

  18. Melanie Nardo sagt:

    Wie erfrischend diese Zeilen zu lesen… Gut auf den Punkt gebracht!

    Ich habe mich auch für Kinder (3 um genauer zu sein) und Karriere entschieden. Für mich war es nie eine Frage ob ich mich „entscheiden“ muss. Für meinen Mann und mich ist dies einfach Bestandteil unseres Lebensmodells. Wir hatten uns immer ein Leben mit Kindern und Karriere vorgestellt und haben dies nun so umgesetzt.

    Leider ist dies in Deutschland (zumindest in Westdeutschland) noch nicht die Normalität und besonders Frauen müssen sich oft rechtfertigen. „Warum kommst Du wieder so schnell in die Arbeit zurück nach Deiner Babypause? Warum bekommst Du ein 3. Kind, mit Deiner Karriere? Ist das fair den Kindern gegenüber? “ etc.

    Ich habe gelernt auf meine innere Stimme zu hören und das zu tun, was mir und meiner Familie gut tut. Nur das ermöglicht ein wirklich zufriedenes und glückliches – wenn auch oft chaotisches – Leben. Ich hänge keinem Perfektionismus mehr hinterher. Den habe ich längst abgelegt und seitdem ruhe ich in mir und habe eine tiefe innere Zufriedenheit gefunden, die sich im Übrigen auch auf meine Kinder überträgt.

    Vielleicht schaffen wir es in unserer Gesellschaft unsere Kinder – insbesondere auch die Mädchen – so zu erziehen, dass sie mutig ihren Weg gehen, sich „trauen“ Kinder und Beruf zu kombinieren. Damit wir ein stärkeres Deutschland für die Zukunft bauen.
    Viele Unternehmen erkennen langsam, dass dies der einzige Weg ist, um langfristig erfolgreich zu sein. Die demografische Entwicklung lässt eigentlich keine andere Wahl. Somit bleibt zu hoffen, dass es langsam einfacher wird – für Väter und Mütter. In vielen Unternehmen wird mehr Flexibilität und Verständnis gelebt.

    Ich persönlich sehe es als meine Aufgabe – insbesondere jüngere Frauen zu unterstützen und sie zu ermutigen ihren persönlichen Weg zu gehen: wie auch immer der aussehen mag. Jeder muß und darf doch sein eigenes Lebensmodell verwirklichen ohne sich rechtfertigen zu müssen.

    Schön – einen so positiven Bericht zu lesen!

  19. Ute Hammerschmidt sagt:

    Am 5. August 2013 wurde auf ARD eine Reportage von Rita Knobel-Ulrich mit dem Titel „Frauen bewegt euch“ gesendet, in welchem Frauen aufgefordert werden, sich zu „bewegen“, von ihren Chefs die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfordern und von ihrem Mann, dass auch er Windeln wechselt, bügelt und das Kind aus der Kita abholt, damit SIE nicht, blitzgescheit und gut ausgebildet, doch wieder NUR Mama ist und Teilzeitkraft. Denn da ist man sich ganz sicher: Karriere macht man in Teilzeit nicht.
    Die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen mutet doch seltsam an, angesichts einer überalternden Gesellschaft, zunehmenden Singlehaushalten und einer Tendenz in unserer Gesellschaft anstrengende zwischenmenschliche Beziehungen und soziale und häusliche Aufgaben (z.B. Kinderpflege und Erziehung, Alten- und Krankenpflege, Putztätigkeiten) zu „outsourcen“ – meistens an schlechtbezahlte (manchmal auch alleinerziehende) teilzeitarbeitende Frauen. Da geht es nicht um fehlenden Mut zur Karriere, sondern um eine lebensbejahende und sozial verantwortliche Haltung, die es all denjenigen, die mit ihren Karrieren genügend Geld verdienen, ermöglichet, ihre Kinder zu betreuen, und Ihre Eltern im Alter zu pflegen, ihre Wohnungen zu säubern, während sie lieber selbstgewählten, befriedigenden Beschäftigungen nachgehen und mit ihren Kindern nur „quality time“ verbringen wollen. Solange die sozialen Aufgaben nicht den nötigen Wert und die Anerkennung in der Gesellschaft erhalten, solange Mütter, die sich mit Teilzeit-Berufen „zufrieden“ geben und keinen „Gleichberechtigungkrieg“ mit ihren Männern führen, als „Dummerchen“ gesehen werden, die ihr Potential nicht ausschöpfen, solange die Frauen für das, was sie zu Hause, mit ihrem täglichen „sich bewegen“, mit Liebe, Sorge, Angst, schlechtem und gutem Gewissen, Müdigkeit und Lebensfreude, mit all diesen und noch viel mehr Gefühlen (wie es nun mal den (meisten) Frauen entspricht) für die Gesellschaft leisten, dafür keine Anerkennung bekommen, solange wird unsere Gesellschaft dem Irrglauben aufsitzen, nur das Streben nach Karriere und wirtschaftlichen Interessen erfordere Mut.
    Deshalb ist es umso nötiger, dass es Frauen wie Nina Diercks gibt, die sich für ihre Entscheidung, ein Leben mit Kindern führen und glückliche Mütter sein zu wollen, nicht rechtfertigen, sondern öffentlich werben und darauf aufmerksam machen, dass eine Entscheidung für Mutterschaft und Beruf (vielleicht auch Karriere) keineswegs mit einem passiven Rückzug aus der Gesellschaft gleichgesetzt werden kann, sondern vielmehr der „Motor“ ist, nämlich das, was unserer Gesellschaft wieder besser zum „laufen“ verhelfen würde. Kinder zu haben und zu arbeiten, (Voll- oder Teilzeit) hat nichts mit Stillstand und Rückzug in ein „bequemes und sorgenfreies“ Leben zu tun, in dem es nur um Babybrei und Windeln geht, sondern mit viel Mut, Standhalten, Kraft, Energie, Sorgen, Mühe, Freude, und vielem mehr, was das Leben lebenswert macht. Eine Karriere erfordert sicherlich all das auch, allerdings sollte niemals das Wohlergehen von Kindern dafür geopfert werden. Aber diese Entscheidung für sich richtig zu treffen, das sollten wir dem Gefühl der betroffenen Frauen ruhig selbst überlassen, und sie in keinerlei Richtung (Kind oder Karriere) drängen wollen.

  20. Simone K sagt:

    Erstmal: Vielen Dank für den TOLLEN Artikel – es hat mir wirklich Mut gemacht, meinen Weg trotz aller Kritik weiterzugehn!
    Ich bin 26, habe Wirtschaftsinformatik studiert, arbeite seit 3 Jahren bei einem IT-Unternehmen, bin verheiratet und arbeite derzeitig sowohl an Karriere als auch Familienplanung – und bin der Meinung, es geht beides, wenn der Partner mitzieht!
    Erschreckt und verunsichert hat mich bei einem Leadership Training, dass selbst viele Frauen meinen, es würde nicht gehn – mit der Einstellung beschneiden wir uns nur selbst unserer Möglichkeiten! Ich werde trotzdem beides verfolgen und hoffe, es klappt auch!

  21. Sylvie P. sagt:

    Liebe Nina,
    ich danke Dir für deinen tollen Beitrag.

    Ich (33)bin Ende des Jahres mit meiner Ausbildung fertig und auch an dem Punkt: soll ich noch ewig warten mit dem Kind? (ich werde unbefristet übernommen) enttäusche ich meinen Arbeitgeber etc? Ich möchte auch relativ schnell in meinen Beruf zurückkehren und hätte auch kein schlechtes Gewissen. Es funktioniert in Frankreich und Dänemark auch super, da ist man manchmal neidisch, wenn man liest man bekommt 90% von dem alten Gehalt nicht 67%…
    Ich glaube auch, dass all das möglich ist, wenn man einen guten Partner an der Seite hat.

    Vielen Dank nochmal fürs Mut machen!

  22. Claudia K. sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für den tollen Beitrag, der allen Müttern, die im Berufsleben stehen, Mut macht.

    Ich selbst habe 3 Kinder (2, 5 und 10 Jahre) und arbeite seit 8 Jahren als selbständige Rechtsanwältin in eigener Kanzlei. Das erste Kind habe ich im Referendariat bekommen – meines Erachtens nach wohl die beste Zeit, ein Kind zu bekommen, da man unproblematisch ein halbes Jahr wirklich pausieren kann.

    Die beiden jüngeren Kinder kamen während der Selbständigkeit und ich muss sagen: auch wenn es nicht immer leicht war, aber es ist zu schaffen. Man muss eben auch mal unkonventionelle Wege gehen. Meine jüngste Tochter war ein halbes Jahr in der Kanzlei dabei und wurde voll gestillt. Ich habe sie auch zu Gerichtsterminen mitgenommen, da sie grundsätzlich lieb geschlafen hat.

    Natürlich ist Organisationstalent wichtig. Aber für mich und meinen Mann ist es einfach unvorstellbar, ohne Kinder zu leben. Genauso unvorstellbar ist es für mich, nicht zu arbeiten. Ich versuche, morgens möglichst zeitig (7.30) anzufangen, so dass ich die Kinder nachmittags spätestens 17.00 Uhr aus der Kita holen kann. Und da ich mein eigener Herr bin, kann ich auch gehen und kommen wann ich will…so z.B. auch mal zum Bastelnachmittag in der Kita.

    Einmal pro Woche ist ein langer Tag angesagt, der auch mal bis 22.00 Uhr gehen kann und an dem mein Mann die Kinder betreut.

    Außerdem wissen es auch die meisten meiner Mandanten zu schätzen (ich bin Fachanwältin für Familienrecht), dass ich eigene Kinder habe und somit weiß, worüber ich rede.

    Aber es stimmt schon, als arbeitende Mutter mit Kindern wird man in diesem Land immer noch benachteiligt. Bis hier wirklich ein Umdenkprozess (auch der Chefs) einsetzen wird, wird es noch lange dauern. Mir sagte z.B. mal ein Richter 4(!!!) Tage vor dem Geburtstermin, er werde den Termin nicht verschieben, ihm ist das egal und Schwangerschaft sei schließlich keine Krankheit.

    Ich wünsche jedenfalls allen Müttern, die es wagen, diesen Weg zu beschreiten, viel viel Glück! Es lohnt sich!

  23. Ingo sagt:

    Schöner Beitrag, auch wenn nicht jeder selbständig werden will oder kann. Wichtig ist, dass beide Partner die Kinder wollen und sich für ein Leben mit Kindern UND Beruf entscheiden. Meine Frau stiegt nach zwei Wunschkindern in Folge jetzt wieder Vollzeit in den Beruf ein. Das wird für uns beide anstrengend und für uns alle vier eine Umstellung. Aber dafür haben wir interessantere Gespräche, Meine Frau den täglichen Austausch mit Kollegen, die Legitimation, sich wieder schicke Klamotten zu kaufen („Verdammt, ich muss Shoppen gehen!“) und nicht zuletzt deutlich mehr Geld auf dem Konto (also deutlich weniger Minus vor dem nicht vorhandenen Geld auf dem Konto). Kinder sind teuer, das Leben ist teuer und es reicht ja nicht, wenn nur die Kinder super betreut sind – Für den „Glitzerstaub“ sollte es halt auch langen. Wer die erste Fernreise mit zwei Kindern bucht und vorhat, im Hotel Abends auch zwei für sich zu haben, wird schnell feststellen, was es kostet, wenn die Kleinen ein extra Zimmer haben. Auch beim Flug wird oft unterschätzt, dass der Kinderrabatt natürlich nicht auf Steuern und Gebühren gilt.

    Als ich meinem Chef sagte, die schöne Zeit, in der ich IMMER verfügbar bin und meine Frau ALLES aufgefangen hat, sei nun vorbei und im nächsten halben Jahr (Probezeit) würde ich sämtliche Krankheiten auffangen und von Zuhause arbeiten (wohlgemerkt nicht mit Krankschreibung fern bleiben), kommentierte er mit „Das musst Du wegmanagen“. Aha, Vereinbarung von Familie und Beruf scheinen in unserem Konzern offensichtlich der Marketingabteilung für einen bunten PR Prospekt eingefallen sein. Die Gesellschaft in Deutschland erkennt offensichtlich immer noch nicht, dass Kinder immer von zwei Elternteilen stammen und auch von diesen beiden ver- und umsorgt werden.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Ingo,

      danke für Deinen Kommentar und den Einblick in Euer Leben. Und natürlich ist die Selbstständigkeit nicht für jeden etwas, das schrieb ich ja auch.

      Hinsichtlich Deines Chefs. Herrje. Leider gibt es die immer noch. Aber bestimmt wirst Du auch nur denken „Du arme S**, der Unterschied zwischen Dir und mir: Du kennst Deine Kinder eben nur vom Familienfoto auf dem Schreibtisch, das echte Leben mit ihnen nicht.“ Sonst wüsste er, dass eine Kinderkrankheit eben nicht „wegzumanagen“ ist. Darüber hinaus: Ich weiß nicht, ob es bei Dir nur chefspezifisch ist oder den ganzen Konzern betrifft, aber leider gibt es wirklich noch viele Unternehmen bei denen Themen wie Vereinbarkeit Familie & Beruf oder Diversity zwar groß draußen drauf stehen, aber irgendwie drinnen nur noch in mikroskopischen Dosen zu finden sind.

      In diesem Sinne,
      es kann nur besser werden! 🙂

      PS: Deiner Frau einen tollen Wiedereinstieg & Euch möglichst wenig Kita-Seuchen. 😉

  24. Julia sagt:

    Nachdem ich vor ein paar Tagen erfahren habe, dass ich zum zweiten mal schwanger bin, habe ich viele Artikel zu diesem Thema gelesen. Dies ist der Erste, bei dem das Leben mit Kindern als eine Bereicherung dargestellt wird, und zwar für beide Elternteile. Überall sonst wird das Kinderkriegen immer als eine Art notwendiges Übel beschrieben, und die Mutter muss dann irgendwie damit klar kommen. Entweder schafft sie es und arbeitet weiter, dann bleibt da immer dieser Unterton in die Richtung „die armen Kinder“. Oder sie schafft es nicht, das ist aber eigentlich genau so schlimm, wenn nicht sogar schlimmer. Erst einmal Danke dafür.
    Ich bin 27 und dieses Kind ist schon mein zweites Kind. Mein erster Sohn wird bald vier. Ich bin weder Gehirnchirurgin, noch Rechtsanwältin oder Softwareentwicklerin. Und mein Mann ist auch kein Manager oder Geschäftsführer. Ich bin Fachfrau für Systemgastronomie, mein Mann ist Soldat. Wir wohnen in nicht in Hamburg oder München, sondern auf einem kleinen Dorf in Nordhessen. Und dort auch nicht in irgendeiner Penthouse-Wohnung sondern in einem selbst ausgebauten Haus aus den 50er Jahren.
    Mit was soll ich mich selbstständig machen? Woher soll ich das Startkapital nehmen? Und woher den Mut, meine Familie im Falle eines Scheiterns komplett mit in den Ruin zu reißen?
    Nehmen Sie es mir nicht übel, ich bin stolz auf das was ich bin. Ich habe ein gutes Abitur gemacht, eine Weile BWL studiert, was nicht mein Ding war. Lange Zeit habe ich im Ausland gearbeitet. Ausbildung verkürzt und das mit Bestnoten und trotz Kind. Aber dieses Leben, von dem hier berichtet wird, ist mir irgendwie fremd. Es wäre schön, wenn es so wäre, aber wir Frauen haben eben nicht die Wahl. Nicht in diesem Land und nicht in dieser Zeit. Spätestens jetzt, mit Kind Nummer zwei, ist die Stunde der Entscheidung gekommen.
    Ich habe einen großartigen Ehemann, der kein besserer Vater sein könnte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er ein besserer Papa ist als ich jemals eine Mama sein werde. Er hilft mir im Haushalt, putzt, wäscht und bügelt. Nur kochen kann er nicht, aber wenn ich nicht da bin kann er unserem Sohn so überzeugend die verbrannte Tiefkühlpizza schmackhaft machen, dass sie für ihn zum Festessen wird. Ich könnte arbeiten, auch eine Woche nach der Entbindung wenn ich wollte. Mein Mann würde sich um die Elternzeit reißen, um die Zeit mit seinen Kindern. Fakt ist aber, dass wir uns das nicht erlauben können. Es wären fast 900 Euro weniger im Monat, die kann ich nicht zusätzlich raus holen, egal wie viele Überstunden ich mache. Bei mir sind es 400 Euro. Was will man erwarten, wenn man in einem Land lebt, in dem Frauen und Männer immernoch absolut unterschiedlich bezahlt werden, unabhängig von ihrer Qualifikation?
    Bereits die Zeit meiner Ausbildung war ein Kampf. Lohnsteuerklasse 5, macht in der Ausbildung ein monatliches Gehalt von 450 Euro. Ein Ganztags-Kindergartenplatz kostet mindestens 300. Die jährlichen Steuernachzahlungen, die man zu entrichten hat, mal außen vor. Dazu ein Chef, der bei Fehlzeiten, bedingt durch Krankheit meines Kindes stinksauer wurde und mich mit den Worten „Ihr Privatleben interessiert uns nicht, kriegen Sie das gefälligst in den Griff“ ermahnte. Ein Kind, dass zwei Jahre lang nur von A nach B geschoben wurde. Oma und Opa, Kindergarten, Freunde, Nachbarn, Tagesmütter an den verschiedensten Orten, wenn mein Mann auf Lehrgänge musste und ihn mitnehmen musste. Und das Alles jetzt mit zwei Kindern… Ich bin definitiv eine Befürworterin von Kindergärten und Fremdbetreuung. Aber nicht bei 6 Monate alten Babys, die noch nicht mal krabbeln können. Und auch nicht von 6-17 Uhr.
    Also, wo ist da der Kompromiss? Ich könnte jetzt noch mal ein paar Tausend Euro investieren um von zu Hause ein Studium nachzuholen. Wenn ich dann fertig bin geht mein Sohn zur Schule. Wo gibt es denn die großartigen Ganztagsschulen, in denen Kinder auch nachmittags sinnvoll beschäftigt werden und die auch finanziell für Durchschnittsverdiener erschwinglich sind? Also ich habe noch keine gefunden. Und ein Schlüsselkind, das sich schon im Alter von 6 Jahren jeden Mittag das Essen selbst aufwärmen muss? Ist es das was ich möchte?
    Ich habe auch immer berufliche Pläne gehabt. Aber ich habe mich für ein zweites Kind entschieden. Also wird mein weiteres Leben genau so aussehen, wie das Leben fast aller Frauen aus dem sogenannten „Mittelstand“, die sich für Kinder entschieden haben. Ich bleibe erst einmal zu Hause, mache eventuell noch einen Minijob. Und wenn ich Glück habe, finde ich irgendwann, in zehn Jahren, einen Posten in Teilzeit, der sich von den Arbeitszeiten her mit den Kinderbetreuungszeiten vereinbaren lässt. Egal in welcher Position.

    So sieht es aus, unter den Nicht-Anwältinnen und Nicht-Geschäftsführerinnen dieses Landes. Auch wenn mir viele widersprechen werden, aber um etwas an der Situation der Mütter in diesem Land zu ändern, müssen nicht wir Frauen uns ändern. Nicht wir müssen besser managen und mehr Forderungen stellen. Denn wir sollten uns nicht rechtfertigen müssen für die Entscheidung, Kinder in die Welt gesetzt zu haben. Auch wenn wir offensiv damit umgehen („Würden Sie diese Frage auch dem Vater stellen?“ – Natürlich nicht! Niemals! Nicht in 100 Jahren wenn das Alles so weiter geht!), ist es trotzdem eine Rechtfertigung. Sollte das Alles nicht das Normalste der Welt sein? Sollte die Zukunft unseres Landes, die Familien mit Kindern, nicht all die Unterstützung bekommen, die möglich und notwendig ist? Warum geht das in anderen Ländern und nicht in Deutschland? Und warum gibt es hier noch immer diese Standesunterschiede?

    Ihr Artikel ist schön geschrieben, eine wirkliche Liebeserklärung an das Elternsein an sich. Das finde ich toll. Es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt, als Kinder zu haben.
    Aber jegliche finanziellen Aspekte lassen Sie komplett außen vor, und das finde ich schade. Ich denke, dass das einer der wichtigsten Aspekte ist, warum sich Frauen gegen Kinder entscheiden, auch wenn er vielleicht bei zwei Großverdienern nicht so spürbar ist wie bei uns.

    • Nina Diercks sagt:

      Hallo Julia,

      herzlichen Dank für Ihr ausführliches Posting, das mich sehr berührt hat. Ich kann Ihre Situation mit meiner tatsächlich kaum vergleichen. Das aber weniger weil ich selbständige Anwältin bin (ich schrieb auch, dass gerade die Selbstständigkeit nicht für alle etwas ist…), sondern weil ich in Hamburg lebe. In Hamburg ist das Wirklichkeit, womit Sie ganz offensichtlich jeden Tag zu kämpfen haben und was sie sich wohl wünschen:

      Es gibt genügend Krippen- und Kindergartenplätze. Und zwar nicht zu horrenden Preisen, sondern der Elternanteil ist abhängig vom Einkommen der Eltern und der Gesamtfamiliensituation. Gutverdiener zahlen für einen 8, 10 oder 12-Stunden-Platz den sog. Höchstsatz von 396 EUR. Geringverdiener zahlen einen Mindestbeitrag in Höhe von 38 EUR (8 Stunden),43 EUR (10 Std.) oder 49 EUR (12 Stunden). Die Beiträge dazwischen sind gestaffelt. UND! Das gilt nur bis August 2014. AB August 2014 sind 5 Stunden jeden Tag komplett beitragsfrei. Nur der Zeitraum nach 5 Stunden ist dann anteilig von den Eltern zu tragen.

      Und zur Schule: Es gibt die Ganztagsschule hier flächendeckend. Kostet bis 16:00 Uhr gar nichts. Wer länger oder vor 8:00 Uhr Betreuung braucht, der kann sich die für einen ebenfalls einkommensabhängigen Betrag dazu buchen.

      Was ich damit eigentlich sagen will: Ja, Sie haben recht. Es liegt nicht an den Frauen (allein). Die Gesellschaft muss mitgehen. Muss Möglichkeiten bieten. Das tut sie in Deutschland leider noch sehr unterschiedlich. Weniger abhängig vom Status oder „Stand“ einer Person, sondern vom Ort, an dem diese Person, bzw. die Familie wohnt. Das muss sich ändern Damit jede Familie, wie Sie so schön schreiben, die Unterstützung erhält, die sich braucht und die sie will. Damit sich jeder aussuchen kann, ob er oder sie seinen Beruf beibehalten möchte und die Kinder auch betreuen lassen möchte oder eben nicht. Aber damit diese Entscheidung eben nicht aufgrund finanzieller Zwänge getroffen wird. Und hoffentlich schon gar nicht eine Entscheidung gegen ein Kind deswegen getroffen wird.

      Ich wünsche Ihnen alles Gute und ganz viel (Vor-)Freude in der Schwangerschaft und auf das alles gut gehen möge!!!!

      ND

  25. Jan Willand sagt:

    Viel Wahres. Sage ich als jemand, der selbst immer Kinder wollte und überrrascht feststellen musste, wie überraschend anders alles ist, wenn diese erst einmal da sind. Auch wenn man sich selbst treu bleibt, lernt man sich neu kennen. Kinder halten nicht nur einen Spiegel vor, sie entlocken tiefste emotionale Reaktionen, die man vorher fein säuberlich zu kontrollieren wusste. Das meine ich, wenn ich feststelle, dass meine Kinder mich geerdet haben. Und dafür bin ich ihne über alle Maße dankbar.

    Man kann nur erleben, wie das ist. Erzählen bringt nichts. Ein Grund warum es legitim ist, dass Freundschaften zu kinderlosen Paaren einschlafen, andere hingegen aufblühen. Es ist eine einmalige Reise, dieses Elternsein. Und wenn ich das mit einem dreiwöchigen Südafrika-Trip vergleiche, den meine Frau und ich vor unseren Kindern unternommen haben,dann muss ich sagen: auch da war ich frustriert. Richtig kaputt. Und habe später jedem empfohlen, dass auch mal zu tun, eine tollere Reise haben wir niemals unternommen.

    Unterm Strich ist es ein Jammer, dass man das überhaupt so stark thematisieren muss.

    Viel Spaß beim weiteren eigenen Weg. Raus aus den Erwartungshaltungen, dem Erfüllungswahn, dem Konformismus, rein in die ganz persönliche Zufriedneheit. Ins Glück.
    Wünscht der Jan Willand.

  26. Nicole sagt:

    Ein toller Beitrag der Mut macht. ICh bin gerade an dem Punkt; zweites Kind ja oder nein.
    Die Entscheidung fällt mir schwer. Warum?
    ICh bin selbständig mit einem kleinen Geschäft mit Öffnungszeiten. Ich habe nur eine Aushilfe für 2 Nachmittage in der Woche und meine Mutter wird in ca 3 Jahren in Rente gehen.
    Mein Mann arbeitet im Schichtbetrieb; eine Woche früh eine Woche spät.
    Unsere Tochter ist nun 2Jahre und 4 MOnate alt und geht seit sie ein Jahr alt ist in einen tollen Kindergarten. es klappt alles gut und ihre Betreuung ist toll organiesiert. Papa-Frühschichtwoche kümmert er sich nachmittags um sie und in der Spätschicht teilen sich die Omas die Tage und ich nehm mir 1 mittag frei; was jetzt gerade gut klappt da meine Mutter da ist.
    Ich stelle mir gerade oft die Frage: klappt das mit 2 KIndern auch so toll?????? Oder nehmen wir uns damit „zu viel“ vor? Ich kann mein Geschäft nicht mal eben zu machen weil ein Kind krank ist oder oder. Klar wir haben tolle Unterstützung von den Großeltern und klar wäre, dass das zweite Kind auch mit einem Jahr in KIndi kommen würde. Ich sehe das Problem eher wenn die Kinder älter sind; in die Schule kommen, ihre Hobbys betreiben wollen und auch sollen…..wenn sie nicht wie jetzt bis ca 15.30 UHr im Kindi versorgt sind sondern um 11.30 Schule aus haben. UNd auch wenn meine Mutter dann icht mehr voll mit im Geschäft ist. Was ist dann??? Bleibt nicht was auf der Strecke? Vielleicht sogar ich? Die eine Hälfte von mir sagt: lass alles wie es ist; du hast eine sooo super Tochter und alle klappt super gut.
    Die andere Hälfte sagt: ein Geschwisterchen wäre schön für die kleine Maus.
    Wir habe auch noch einen HUnd der nicht einfach „neben her“ laufen soll! Auhc er braucht seine Zeit.
    Wir reden viel darüber; und wenn wir es realistisch sehen, ist es die besser Entscheidung es bei diesem einen wundervollen Kind zu belassen!!!! Denn ich bin mir nicht sicher ob ich nciht vielleicht an meie Grenzen komme?!?! IHC würde mich auch nicht darauf verlassen, nochmal so ein von Anfang an „pflegeleichtes“ KInd zu bekommen.
    Ach so ein durch einander wie ich gerade schreibe, so ein durcheinander ist in meinem KOpf. 🙁
    Manchmal denke ich : ach kann mir die Entscheidung bitte jemand abnehmen….

  27. Frauke sagt:

    Liebe Nina,

    vielen Dank für den wunderbaren Artikel. Dieses Thema ist auch für mich gerade wieder sehr aktuell und ich überlege meine Erfahrungen über einen Blog o.ä. mit anderen zu teilen. Bei meiner kurzen Internetrecherche bin ich dann auf Deinen Beitrag gestoßen. Danke dafür! Den Link habe ich schon an die ein oder andere Freundin in ähnlicher Situation weiter geleitet!

    Ich selber bin ebenfalls Juristin. Mein Sohn ist sechs Wochen nach der mündlichen Prüfung zum 2. Examen geboren und mittlerweile fast vier Jahre alt. Angesichts des Gegenwindes als Mutter teilzeitbeschäftigt in den Anwaltsberuf einzusteigen, habe ich mich für den Berufs(wieder)einstieg zunächst für eine wissenschaftliche Mitarbeit an der Universität entschieden und mit meiner Dissertation begonnen. Nun bin ich in Elternzeit mit dem 2. Kind, meine Tochter ist 3 Monate, und ich beabsichtige mein Dissertationsvorhaben im Laufe des nächsten Jahres abzuschließen und dann kommt die spannende Bewerbungszeit…

    Vorletztes Wochenende besuchte mich eine Studienfreundin aus Berlin. Sie ist etwa in der gleichen Situation wie ich, zwei Kinder, Dissertation fast abgeschlossen und ein fast vollendetes Referendariat. Das Thema Berufseinstieg hat viel Zeit unseres gemeinsamen Wochenendes eingenommen und es war sehr gut sich auszutauschen. Sie hatte irgendwann mal die Idee doch einen Blog für Juristinnen zu starten – vielleicht haben wir jetzt den richtigen Aufhänger gefunden.

    Beim ersten Kind hatte ich noch nicht die Muße und den Mut gegen die Schwierigkeiten anzukämpfen, und habe eine sehr flexible Teilzeitbeschäftigung vorgezogen. So war es gut, aber jetzt möchte ich nicht länger warten. Denn wie Du schreibst, bin ich mit den Kindern kein anderer Mensch geworden und meine beruflichen Ziele und der Wunsch mich auch darin zu verwirklichen haben sich nicht grundlegend geändert.

    Ich sehe der Zukunft mit Spannung entgegen und freue mich, dass auch Du Deine Erfahrung und Einstellung hier geteilt hast.

    Viele Grüße aus Hamburg St. Georg

  28. Fabienne sagt:

    Hallo Nina,
    ich finde Deinen Artikel sehr gut, Mut machend und traurig gleichzeitig.
    Es ist leider wirklich so, dass Männer nicht gefragt werden ob sie Kinder haben, haben wollen bei Vorstellungsgesprächen.
    Du hast das große Glück einen Mann zu haben der Dich trägt, für Dich da ist.
    Mein Mann hat mich nach 15 Jahren und zwei kleinen Kindern mit einem Altersunterschied von nur 14 Monaten (von ihm gewollt) für eine seiner Sekretärinnen sitzen gelassen.
    Ich war nicht mehr so locker und lustig wie vor den Kindern und habe von ihm Mithilfe zuhause erwartet. Spontan abends mit ihm ausgehen oder seine Hobbys teilen konnte ich auch nicht mehr, da war er weg.
    Als Apothekerin kann ich prima Teilzeit arbeiten, doch ist es immer ein Problem die Nachmittags- und Abendbetreuung zu organisieren wenn ich bis halb sieben arbeiten muss.
    Also bleibt es wohl noch für einige Zeit bei Teilzeit und ich kämpfe um alles zu schaffen. Arbeit ,Kinder, Haushalt… und die Trauer zu verarbeiten.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück und würde mich über neue Artikel freuen.

    Fabienne

    • Steffen Roßkamp sagt:

      Es ist immer wieder verwunderlich bis erschreckend, das Menschen wie dein Ex offenbar meinen das sich durch eine Änderung der Lebensumstände keine Änderung für sie ergäbe.

      Dir weiterhin viel Kraft und Erfolg auf deinem Weg!

  29. Ol sagt:

    Ich hatte vorher keine Angst
    Ich dachte wir bekommen das hin.
    Ich habe studiert, kein Abschluss. Zeit lang gearbeitet, zwecks Umorientierung. Ich bin schwanger geworden, war nicht schlimm. Doch in der Elternzeit wurde sowohl mein Mann wie auch ich gekündigt, wir sind umgezogen, um unseren Kind ein Zimmer zu bieten. Wir wohnen jetzt über massiven Rauchern und Kiffern. Der Kitaplatz lässt auf sich warten, trotz Anmeldung vor der Geburt. Tagesmütter überlasstet. Da ich keine Betreuung für das Kind da ist besteht auch kein Anspruch auf AGL 1. Ich war Studentin, bin jetzt Harz 4 Empfängerin mit der Chance auf einen 450 € Job. Ich wünsche mir jeden Tag mit dem Kinder kriegen gewartet zu haben.

  30. Ein schöner Artikel. Es gibt viele Menschen die nicht ihre beruflichen Ideen ausleben und dabei keine Zeit für Kinder und Familie zu habe.
    Was ist besser 3 Stunden mit den Kindern fernsehen oder WIRKLICH eine halbe Stunde bei den Kindern zu SEIN?
    Ein spannender Job zu leben und ein wertvolles Familienleben zu haben ist nicht nur möglich sondern natürlich. Wenn auch mit Herausforderungen die sind auch Ok.

  31. […] darf nicht sein. Denn wie ich im Artikel “Kinder, Karriere, Leben – Ein Plädoyer gegen die Angst” schon schrieb, „ist das Leben mit Kindern eben einfach rosarot und glitzert, auch wenn ständig […]

  32. Kerstin sagt:

    Ein wunderbares Plädoyer für ein mutiges Leben. Ich bin im Grunde 10 Jahre weiter, habe 4 Kinder (13, 12, 9, 7) und habe mir alle (kurzen) Elternzeiten mit meinem Mann geteilt. Wir sind auch beide Juristen, haben sehr flexible Arbeitgeber und sind privilegiert, da wir zum einen im Osten Deutschlands die hervorragende Kinderbetreuung haben, die uns vielfältig unterstützt hat und zudem eine Kinderfrau zuhause hatten, die uns liebevoll unterstützt hat. So konnten wir immer Vollzeit arbeiten, unsere Karrieren leidlich voranbringen und trotzdem wechselweise am Nachmittag für unsere Kinder da sein. Der Schlüssel und wesentliche Faktor ist für mich ein Partner, der am gleichen Strang zieht, aber auch, dass zwischen ihm und ihr kein allzu großes Einkommensgefälle herrscht, das es wirtschaftlich unsinnig erscheinen lässt, dass der Besserverdienende zurücksteckt.

  33. Martina sagt:

    Vor der Geburt meines Sohnes (13) war es für mich sonnenklar nachher wieder (voll) arbeiten zu wollen. Nachdem ich das auch tatsächlich ein halbes Jahr getan habe und dabei das Glück hatte, dass in dieser Zeit mein Mann Teilzeitkarenz nahm, legte ich den Plan ad akta. Grund: Ich vermisste meinen Sohn einfach und ich wollte nicht nur Abend-Mahlzeit und Gute-Nacht-Ritual-Mama sein. Und so entschied ich mich nach der Geburt von meiner Tochter (10), in Teilzeit die Work-Life-Balance mit nicht gemindertem Interesse und Engagement in anspruchsvollen Jobs zu leben. Leider, die Umstände meinten es nicht so gut mit mir, sodass meine Ansprüche an mich selbst schließlich in einem Burn-Out endeten. Heute geht es mir wieder sehr gut. Und ich bereue nur, dass ich nicht mehr auf mich selbst geschaut habe. Müdigkeit ist immer ein Signal des Körpers, bitte beachte sie auch und gönn dir wieder mal Ruhe. Ich habe sie jahrelang ignoriert. Nur wer gut für sich sorgt und sein eigenes Leben lebt kann auch für andere (Familie und Job) da sein.

  34. Christine sagt:

    Nicht lang überlegen, einfach machen. Ich hab mein erstes Kind mit 22 bekommen, mitten im Studium, das zweite dann mit 37. Wenn man sich anschaut, wie die meisten Kinder auf der Welt groß werden, oft ohne Eltern, in prekären Verhältnissen, bedroht von gesundheitlichen Risiken, Armut, Gewalt, so ist das Gegrübel, ob das Kindern gut tut, in eine Ganztagsbetreuung zu gehen, weil Mama Vollzeit arbeitet doch wirklich ein Witz. Ich hab mir beides ausprobiert, Teilzeit und Vollzeit und hab die krudesten Sachen im Laufe der Jahre hören müssen. einfach ignorieren und den eigenen Weg finden. Und ganz wichtig, vom Perfektionismus verabschieden. Eigene Kinder sind einfach großartig, kein Mensch sollte auf dieses Erlebnis verzichten.

  35. […] Paars, beide selbstständig (könnte übrigens ein Erfolgsrezept sein), erzählt aus der Sicht der Frau und des Mannes. Auch wenn es sicher Ausnahmen sind und nicht jeder ihr Modell für sich übernehmen […]

  36. Sarah sagt:

    Auch wenn ich den Artikel großartig finde, muss ich doch sagen, dass er einen sehr wichtigen Aspekt nicht beberücksichtigt. Das liebe Geld. Es ist die Rede von Paaren die wenigstens ein gesichertes Einkommem haben, top qualifiziert sind und daher dann beim ersten Wunschkind mindestens Ende zwanzig oder Anfang dreißig sind.Ich bin garde zwanzig und habe dann im Frühling mein Abitur. Danach möchte ich gerne studieren und mein Partner tut dies bereits. Er ist ebenfalls zwanzig studiert Philosophie und Jura und das kann dann wohl noch ein weilchen dauern. Wenn ich dann mein Studium beendet habe, ist er noch nicht fertig weswegen ich ja dann auch erst mal ein paar Jahre arbeiten kann und wenn er dann soweit ist, möchte er bestimmt auch ein bisschen Beruhfserfahrung sammeln. Kurzum ich lass mir meine Eizellen am besten gleich einfrieren denn dieses ständige Tick, Tack hat ja schon ganz andere in den Wahnsinn getrieben(siehe Captain Huck).Wir würden aber am liebsten jetzt ein Kind bekommen und das nächste dann bestenfalls auch noch während des Studiums. Wann hat man denn sonst soviel Zeit, Flexibilität und Unabhängigkeit wie im Studium -und gleichzeitig so wenig Geld? Die Reglstudienzeit, Elternschaft und Bafög ist zwar erstaunlich charmant gelöst aber nur von Liebe, Zeit und Bafög ein Kind groß ziehen? Nein Danke. Dabei wäre es vermutlich viel einfacher den Berufseinstieg zu finden wenn ich dann mit dreißig sagen kann: ja ich habe Kinder, sie werden dieses jahr zehn und acht.Ich fände es wichtig nicht nur mehr Verständnis im Berufsleben zu forden, sondern auch junge Eltern die ganz bewusst früh Kinder haben wollen finanziell zu unterstützen. Vielleicht auch nach dem Bafög Prinzip, sprich ein Teil davon wird zurück erstattet..?

  37. Eine Frau ohne Hoffnung sagt:

    Liebe Frau Diercks,

    vielen Dank für diesen Artikel! Leider gibt es so gut wie keine Führungskräfte mit gesundem Menschenverstand.
    Habe in HH studiert, bin Diplom-Ingenieur für Biotechnologie, Abschlussjahr 2010. Vor meiner Diplomarbeit kam das 1. Kind, dann 2 weitere. Seit letztem Sommer wohne ich in Wien und bin seit August 2014 auf Jobsuche (bevor auch in Deutschland). Absolut vergebens. Kein Vorstellungsgespräch. Beim Nachfragen hieß es „Sie haben keine Berufserfahrung“, „nur Studium und danach… kommt nichts“ oder gar „Sie haben sich doch entschieden!“. Alles Andere zählt nicht! Nicht meine Abitur mit Auszeichnung, nicht die Tatsache, dass ich immer (habe bevor ein halbes Studium im Ausland gemacht) zu den besten Studierenden gehörte.
    Ich bin nur 30! Hoffnungslos. Machtlos. Diskriminiert dafür, dass ich mich für gesunde Kinder im besten Alter entschieden habe. Und niemand kann helfen.
    Danke, dass es solche Menschen wie Sie gibt! Die verstehen: glücklich kann man sein nur, wenn man alle Lebensrollen erleben darf.

  38. Alex sagt:

    Liebe Nina,
    ich bin so froh, Deinen Text gefunden zu haben. Auch in stehe mit zwei Jahren Berufserfahrung nach dem Studium noch am Anfang und schreibe nebenbei an einer Dissertation. Jetzt bin ich schwanger und erfahre die unglaublichsten Dinge um mich herum – und ich dachte wirklich die Zeiten hätten sich geändert. Für mich ist völlig klar, dass ich meine Diss zu ende schreibe und weiter arbeiten möchte, ich liebe meinen Job und definiere mich auch durch ihn.
    Referierst Du zu diesem Thema in nächster Zeit erneut?
    Vielen Dank und weiter so…

  39. tatjana sagt:

    Wow! Dieser Beitrag bringt es wirklich auf den Punkt und sprich mir aus der Seele!
    Auch ich habe einen 2jährigen Sohn und befinde mich derzeit kurz vor dem 2.juraexamen und bin mit meiner Entscheidung trotz der großen Anstrengungen mehr als glücklich. Ich wollte ebenfalls noch eine junge Mama sein ohne meine Berufswahl aufzugeben.
    Es ist mir klar gewesen, dass ich gegenüber kinderlosen einen Nachteil in der Vorwahl habe, dennoch finde ich es erschreckend, dass Arbeitgeber sich gegenübr Müttern immernoch so positionieren!
    In gewisser Weise hält es mir vor Augen, was auf mich zu kommt, wenn ich auf jobsSuche gehe. Aber gleichzeitig machen mir deine Schilderungen Mut für die Zukunft und bestärkt mich in meinem Wunsch noch ein zweites Kind zu bekommen.

    Vielen dank für deinen Beitrag!

  40. Lilly sagt:

    Liebe Nina,

    ein toller Artikel, der vieles gut auf den Punkt bringt.
    Es gibt eine Stelle, die mich besonders anspricht. Du beschreibst, wie eine junge Frau Dich gefragt hat „Hat sich Deine Einstellung zum Leben, zu Deiner Karriere geändert, als Du ein Kind bekommen hast?“ und Deine total Fassungslosigkeit über diese Frage.
    Mich würde interessieren, warum hat die Frage Dich so fassungslos gemacht? Denn um ehrlich zu sein, ist das eine Frage, die ich auch stellen könnte. Und wenn ich das gefragt werde, gebe ich darüber gerne Auskunft. Und nein, ich würde das nie einen Mann fragen. Denn der Mann hat zwar auch ein Kind bekommen, aber er war weder schwanger, noch hat er das Kind geboren oder gestillt. Und ich finde, dass kann durchaus was mit einer Frau machen. Für mich hat das nichts mit mangelnder Gleichberechtigung zu tun, dass man die Frau das fragt und den Mann nicht, denn beide machen hier eine Erfahrung, die völlig unterschiedlich ist. Und danach zu fragen, empfinde ich in keinster Weise diskriminierend für die Frau (ich würde es eher als Gleichmacherei empfinden so zu tun, als hätten beide dieselbe Erfahrung gemacht). Mit mir hat das Kinder kriegen eine Menge gemacht und mein Blickwinkel auf Karriere hat sich ein Stück weit geändert (auch wenn ich vor und mit unseren zwei Kindern Vollzeit gearbeitet habe/arbeite, übrigens als festangestellte Juristin in einem großen Konzern 🙂 und wir über ein drittes Kind nachdenken).

    Ich finde manchmal, hier sind Frauen den Männern voraus, weil sie durch das Kinder kriegen gezwungen sind, sich über die Prioritäten in ihrem Leben bewusst zu werden, was mancher Mann erst in der Midlifecrisis ein Lebensjahrzehnt später für sich ausmacht.

    Viele Grüße von Lilly

  41. Carolin sagt:

    Kind und Karriere? Ist sicher möglich, jedoch MUSS im Vorfeld (vor Kind) das gewünschte Karriereziel erreicht sein. Denn mit Kind die Karriereleiter nach oben ist fast unmöglich, geschweige denn sich in einem anderen Unternehmen zu bewerben. Ich habe berufsbegleitend neben Job und Kindern studiert…Tja, das war es aber auch schon. Jobs gäbe es sicherlich, aber bitte Vollzeit. Besonders in Positionen mit mehr Verantwortung. Wenn man allerdings in einer Region lebt, die wenige dieser Jobs anzubieten hat, muss man eben fahren. So, Vollzeit plus Fahrtzeit sprengt nun aber die Kinderbetreuungszeit. Das heißt, man müsste noch auf Tagesmütter zurückgreifen. D.h. A) man arbeitet nur noch für Betreuungskosten, B) man sieht das Kind kaum noch. Nicht jeder kann um 16.30 Uhr seinen Bleistift fallen lassen. Auch intern ist es schwer nach oben zu kommen, man müsste einfach noch flexibler sein. Fazit: Kind und Karriere ist nur schwer und mit Glück und/oder der richtigen zeitlichen Planung vereinbar.

  42. […] gern Ninas und meine (sehr private) Plädoyers dafür, dass „beides gehen kann“, hier, hier oder hier […]

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