Authentizität

Ich bin ich. Und sonst gar nichts.

Diesen wichtigen Satz sollte sich eigentlich jeder hinter die Löffel schreiben. Denn wer ist schon gerne das Abziehbild eines anderen? Oder gar ganz ohne eigene Persönlichkeit? Dieser Satz gilt auch für jeden Unternehmer. Schließlich ist die unternehmerische Persönlichkeit oft ein echtes Unterscheidungsmerkmal im Markt.

In der Wikipedia wird Authentizität so definiert:

Authentizität (von gr. authentikós „echt“; spätlateinisch authenticus „verbürgt, zuverlässig“) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“.[…]
Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden.

Aha. Interessant. Doch wie funktioniert das denn eigentlich mit dem authentisch sein?

Außen und innen

Siegel für ein Original

Bild: Gerd Altmann/www.pixelio.de

Die Theorie sagt, dass Menschen (oder Marken/Unternehmen) authentisch wirken, wenn die innere Einstellung und das äußere Handeln weitgehend identisch sind. Authentische Menschen und deren Wirkung auf uns kennen wir alle in unserem alltäglichen Leben. Ein Beispiel, Thema „Radfahren in der Stadt“. Wem traut ihr mehr Expertise zu: jemandem, der bei Sonnenschein von Kopf bis Fuß gestylt auf sein teures Rennrad steigt? Oder jemandem, der praktisch gekleidet mit seinem stabilen Trekkingrad bei Wind und Wetter in der Stadt unterwegs ist? Die Entscheidung ist einfach. Wenn es allerdings um das Thema „Rennrad fahren als Freizeitsport“ geht, sieht eure Wahl gleich ganz anders aus, oder? Ähnlich ist es in der Businesswelt: Ein Bäcker, der plötzlich Wurst, Käse und Obst im Angebot hat, wirkt auf den ersten Blick wenig authentisch in seinem Beruf. Schließlich hat er das Bäckerhandwerk gelernt und betreibt mit genau diesem Know-how eine Bäckerei. Aber vielleicht hat er sein Sortiment erweitert, um seinen Kunden einen Lunchservice anzubieten? Oder er erschließt sich neue Geschäftsfelder, weil der nächste Supermarkt 30 Kilometer weit weg ist? Für den Bäcker ist wichtig, den Sinn und Zweck der Sortimentserweiterung sofort klar und umfassend an die Kunden zu kommunizieren – und schon wirkt er als Bäcker mit Wurst-, Käse- und Obstangebot weiterhin authentisch. Wer an dieser Stelle schweigt, riskiert wegen der von außen empfundenen Unglaubwürdigkeit ein unternehmerisches Fiasko.

Wir halten also fest: Um im Inneren authentisch zu sein und nach Außen auch so zu wirken, müssen Eigen- und Fremdwahrnehmung möglichst übereinstimmen. Deshalb müssen wir Unternehmer offen über unser Angebot und unsere Pläne auf allen von uns gewählten Marketingkanälen sprechen!

Vom Risiko, echt zu sein

Einer der Gründe, warum wir alle Authentizität so hoch bewerten, liegt darin, dass gelebtes „Echt sein“ ein hohes Risiko beinhaltet. Denn so wie die sprichwörtliche Wurst zwei Enden hat, kann auch jede gesendete Botschaft auf (mindestens!) zwei verschiedene Weisen empfangen werden:

  • Wer für sich selbst einsteht, könnte auch ein Egoist sein.
  • Wer kooperiert, könnte anderen etwas vormachen.
  • Wer offen seine Befindlichkeiten äußert, könnte auch keine selektiven Mechanismen besitzen.
  • Wer diplomatisch ist, könnte seine eigentlichen Ziele verschleiern.
  • Wer ehrlich kommuniziert, könnte auch als rücksichtslos wahrgenommen werden.
  • Wer Rücksicht nimmt, könnte sich auch verbiegen.

Doch mal ehrlich: Ist das wirklich ein Risiko? Oder ist es einfach nur eine Frage des persönlichen Wertesystems? Sozusagen ein Resultat, das sich aus unseren ganz eigenen Erfahrungen ergibt? Eine Art Extrakt, von denen es so viele gibt, wie es Menschen gibt? Ich denke, dass es genau so ist – und damit gibt es keine verbindliche Maßeinheit für „Authentizität“. Wir können also nur selbst bestimmen, was für jeden einzelnen von uns authentisch ist. Was für uns ganz persönlich „Echt sein“ bedeutet. Und wir können darüber in unserem eigenen Stil reden und schreiben.

Authentizität als Alleinstellungsmerkmal

Wer also das „Risiko“ eingehen will, authentisch zu sein und zu wirken, sollte sich genau überlegen, um welche Bereiche es konkret geht – gerade, wenn man Authentizität als Alleinstellungsmerkmal (USP = unique selling proposition) und damit als geschäftsrelevant begreift.

Als Unternehmer könnt ihr euch folgende Fragen stellen:

  • Wo liegen meine Stärken? Persönlich, zwischenmenschlich und fachlich?
    – Was kann ich besonders gut und mache es gerne? Persönlich, zwischenmenschlich und fachlich?
    – Was kann ich besonders gut und mache es gar nicht gerne? Persönlich, zwischenmenschlich und fachlich?
  • Wo sind meine Schwächen? Persönlich, zwischenmenschlich und fachlich?
  • Was möchte ich meinen Kunden anbieten? Persönlich, zwischenmenschlich und fachlich?

Wenn ihr diese Fragen aus allen drei Sichtweisen beantwortet, kommt ihr ganz automatisch zu dem, was euer Angebot einzigartig macht. Denn die Antworten beschreiben euer Produkt, eure Mission, euren Stil im Umgang mit anderen Menschen. Kurz: Diese Punkte liegen euch am Herzen. Ihr seid besonders gut darin. Und könnt deswegen unbefangen und sehr persönlich darüber sprechen. Und mit euren Kunden kommunizieren. Weil ihr in diesen Punkten mit euch selbst im Reinen seid.

Echtheit ist ein Resultat

Checkliste

Bild: Gerd Altmann/wordle.net/pixelio.de

Mit dieser begründet positiven Einstellung seid ihr im Inneren authentisch in dem, was ihr tut und anbietet. Geradezu automatisch werdet ihr

  • selbstbewusster und damit selbstsicherer.
  • mutiger im Umgang mit Fehlern.
  • offener für Kritik.
  • zufriedener mit euch selbst und euren Arbeitsergebnissen.
  • weniger besorgt um eure Außendarstellung.
  • ehrlicher euch selbst und anderen gegenüber.

Es gibt eigentlich nur eine – aber sehr wichtige – Einschränkung: Nach außen werdet ihr nie von allen Menschen als authentisch empfunden. Denn dazu sind die menschlichen Wertesysteme viel zu verschieden. Viele Frauen sollten außerdem an dieser Stelle ihre sonst so tolle Fähigkeit zur Selbstkritik über Bord werfen und einfach mal mit sich selbst zufrieden sein! Denn: Authentizität bedeutet auch Mut. Mut, auch mal unvollkommen zu sein. Ecken und Kanten zu haben. Und das ist meiner Meinung nach die wichtigste Erkenntnis, die sich aus der Beschäftigung mit dem Begriff „Authentizität“ ergibt.

Was hält euch also davon ab, authentisch auf eure Zielgruppe zuzugehen? Euch selbst das Leben zu erleichtern? Mit noch mehr Freude in den Tag zu gehen? Und zwar nicht nur im sogenannten realen Leben, sondern auch in geschäftlichen Dingen? Eigentlich gar nichts, oder?

Bild oben: Gerd Altmann/www.pixelio.de
Bild unten: Gerd Altmann/www.wordle.net/www.pixelio.de

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3 Antworten zu "Authentizität"

  1. […] Für die Digital Media Women habe ich einen Blogbeitrag zum Thema “Authentizität” geschrieben – eine Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Lesen Sie selbst: http://www.digitalmediawomen.de/2013/01/07/authentizitaet/ […]

  2. Livia sagt:

    Hallo, bin eben über den SueWest-Newsletter auf diesen Artikel gestoßen. Wunderbar getroffen – das „Risiko echt zu sein“ – ein Thema, das sehr wichtig ist. Nicht nur für den Beruf und das eigene Unternehmen, sondern auch für die persönliche Zufriedenheit. Ich finde den Gedanken schön, zu der eigenen Unvollkommenheit zu stehen. Natürlich authentisch.

  3. […] “Ich bin ich. Und sonst gar nichts.” unter http://www.digitalmediawomen.de/2013/01/07/authentizitaet/ […]

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