Sichtbar werden. Bericht von der Social Media Week in Berlin

Bei der Social Media Week, die letze Woche in Berlin stattfand, war das Berliner Quartier der Digital Media Women aktiv. Wir setzten Themen, gewannen Referentinnen,waren als Speakerinnen vertreten und luden zum Austausch ein. Mein persönliches Highlight war das Women in Tech Panel, das zu später Stunde im voll besetzten Raum von Immobilienscout stattfand.

Nora Wohlert moderierte> Women in Tech #smwberlin. Foto: Melanie Gömmel.

Moderatorin Nora Wohlert, Managing Editor bei Gründerszene, war es eigentlich leid, das Gender-Thema wieder und wieder zu diskutieren. Doch lässt sich der Fakt kaum ignorieren, das die technischen Berufe noch männerdominiert sind und es Frauen nicht immer leicht haben, sich in dieser Branche zu behaupten.

Als Jess Erickson, Gründerin der Berlin Geekettes nach Deutschland kam, konnte sie gar nicht fassen, wie viele CEOs tatsächlich der Meinung waren, Frauen seien nicht in der Lage, technische Zusammenhänge zu verstehen. Caroline Drucker, Country Manager Germany bei Etsy, machte die Erfahrung, das manche Männer sich gar keine Gedanken darüber machen, wie sie Frauen (und andere Männer) beschämen, wenn sie Bilder von halbnackten Frauen einsetzen, um ihre Vorträge anschaulich zu gestalten.

 

Vom Publikum aufs Podium

Linsey Fryatt, die sich als Managing Editor von VentureVillage in der Startup-Szene auskennt, machte darauf aufmerksam, dass in einem Klima, in dem junge Gründer und Programmierer als Helden abfeiert, Menschen nicht nur qua Geschlecht sondern auch aufgrund ihres Alters diskriminiert werden. Social Media Beraterin Nicole Simon sprach lieber über die Steine, die Frauen sich selbst in den Weg legen: „Ihr seid nicht sichtbar genug!“, stellte sie fest und regte dazu an, ein öffentliches Profil zu pflegen, Fotos von sich zu zeigen und grundsätzlich erstmal Ja zu sagen, wenn frau als Speakerin angefragt wird. Im Publikum zu sitzen, mag fürs erste okay sein, aber beim nächsten Mal sollte das Podium das Ziel sein. Viele Podien.

Womit wir bei den Chancen wäre, die Frauen nur zu nutzen brauchen. Anika Lindtner kam in Finnland zum Programmieren. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn der Computer tut, was man ihm sagt“, hat sie erfahren und als Mitgründerin der Rails Girls Berlin schon viele Frauen dazu verführt, sich in Codes zu verlieben.

Manchmal ist es ganz gut, etwas Abstand davon zu gewinnen, wie Männer an die Dinge herangehen und was sie von Frauen erwarten. Caroline ist der Meinung, dass Frauen sich ganz dringend von dem Wunsch verabschieden sollten, von allen gemocht zu werden. Nicole, die anlässlich einer Lebenskrise mit Mitte 20 ein paar Wochen lang versuchte, ein nettes Mädchen zu sein, übt sich seitdem in fröhlicher Ignoranz der an Frauen gestellten Erwartungen. Liebe die eigene Passion herausfinden, Ziele definieren und verfolgen. In Carolines Worten ausgedrückt: „Think seriously about what is gonna make you happy“. Ein Mentoring-Programm wollen Jess Erickson und die Geekettes demnächst starten. Es lohnt sich, im Oktober mal auf ihre Website zu schauen.

 

Männer wollen gar nicht unter sich bleiben

Jess Erickson und Caroline Drucker im Blick (v.l.) Foto: Kathrin Koehler

Hoffnung machte ein Progammierer aus dem Publikum, der es erklärtermaßen satt hat, in Männerrunden zu arbeiten und nun wissen will, wie er Frauen in Tech ermutigen kann. Unser Tipp: Mal bei den Digital Media Women vorbei schauen.

Wie sehen sie eigentlich aus, die neuen Jobs in Social Media? Darüber sprachen am nächsten Tag Simone Janson, Expertin für neue Arbeitsformen bei ikosom, mit denen, die es wissen müssen. Einig waren sich Digital Media Women Melanie Gömmel und Kati Krause darin, dass es keine speziellen Ausbildungsgänge für Social Media braucht. „Wichtig ist, mit einer breiten Palette von Kenntnissen an die Arbeit zu gehen. Unternehmen erwarten etwas Handfestes neben Social Media“, sagte Kati Krause, die jetzt Creative Communications Manager bei Etsy ist. Sie bringt ein Studium in Politik und eine journalistische Ausbildung mit. Als Quereinsteigerin würde sie Axel Oberberg, Marketing Manager Social Media bei Nokia, deshalb nicht bezeichnen. „Echte Quereinsteiger gibt es kaum in Deutschland“ stellte Axel fest. „Wenn ein Banker in Deutschland mal was ganz verrücktes machen will, dann geht er in die Versicherungsbranche“, lautete sein sarkastischer Kommentar zum Thema.

Immerhin berichteten Heiko Nehlsen von Ausschnitt Medienbeobachtung und Melanie Gömmel vom WWF durchaus von bunt gemischten Teams an ihrem Arbeitsplatz. Während Melanie mit Blick auf die Zukunft sagte, dass sich die Jobs in Social Media weiter ausdifferenzieren werden, ging Heiko auf die Fähigkeiten ein, die für Scoial Media qualifizieren: „Man braucht ein breites Allgemeinwissen und muss in der Lage sein, sich sehr schnell auf Kunden und Themen einzustellen“.

 

Kati Krause, Melanie Gömmel und Simone Jonsen (v.l.). Foto: Maren Heltsche.

Frauen willkommen?!

Es ist auch ehrenamtliche Arbeit, von der Social Media lebt, wie zum Beispiel dem Engagement bei Wikipedia. Frauen fühlen sich davon allerdings kaum angesprochen. Nur neun Prozent von den Aktiven in der deutschsprachigen Wikipedia sind weiblich. Julia Kloppenburg von Wikimedia Deutschland nannte mögliche Ursachen: Rechtfertigungsdruck, eine teilweise grobe Gesprächskultur und sexistisches Verhalten. Hinzu kommt der Eindruck einer scheinbar geschlossenen Gruppe, die Neuankömmlinge nicht eben herzlich empfängt. Um mehr Frauen für ihre Plattformen zu gewinnen, wolle die Verantwortlichen bei Wikimedia technische und soziale Hürden senken und haben Programme für EinsteigerInnen ins Leben gerufen. Aus meiner Sicht wäre allerdings mehr damit gewonnen, konsequent gegen Sexismus einzustehen. Oder dafür zu sorgen, dass Admins nicht einfach die Beiträge anderer Nutzer sperren und löschen können, nur weil sie ihnen persönlich nicht passen – was übrigens nicht nur Frauen abschreckt, sich bei Wikipedia zu engagieren.

Insgesamt bot die Social Media Week viele Gelegenheiten, Frauen auf die Digital Media Women aufmerksam zu machen. Wir treffen uns hoffentlich zahlreich wieder am 10.10. um 20 Uhr in der Turnhalle in Friedrichshain. Anmelden könnt ihr euch über Facebook oder in unserer Mixxt-Community

Zwei weitere lesenswerte Berichte über das Women in Tech Panel bei Kathrin Koehler und VentureVillage.

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1 Antwort zu "Sichtbar werden. Bericht von der Social Media Week in Berlin"

  1. Lisa Hilbich sagt:

    Die Themen liegen in der Luft…

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