Networking – Das „Give and Take“-Prinzip

Es gibt Jobs, auf die kann man sich nicht bewerben. Sie werden vergeben. Und es gibt Aufträge, die kann man nicht verhandeln. Der Faktor „B“ entscheidet, wer ihn kriegt und welches Honorar durchgewunken wird. Der Traumjob. Der fette Auftrag. „Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat“, heißt es. Dass Networking für die Karriere extrem wichtig ist, ist wohl allen aufgeklärten Frauen und Männern klar. Trotzdem schrecken wir immer mal wieder vor dem Netzwerken zurück. Kann ich den Kunden wirklich um die Referenz bitten? Die Freundin fragen, ob sie mich für den Job empfiehlt? Mit Müller aus dem Controlling zur Mittagspause gehen, obwohl wir uns kaum kennen?

Networking-Power: Angela Rittig, Katharina Nitschke, Moderatorin Caro Neumann, Jens Nordlohne und Katharina Wolff (hier nicht im Bild) berichteten über ihre Erfahrungen (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de).

Am Dienstag waren wir bei XING zu Gast. Das Thema: „Wenn Frauen networken – warum Erfolg im Job von guter Vernetzung abhängt“. Carolin Neumann hatte für uns ein spannendes Event mit tollen Gästen organisiert: Angela Rittig von XING, Katharina Nitschke, die Scrum Master und aktive Networkerin ist, der gut vernetzte Jens Nordlohne und Katharina Wolff, Gründerin zweier Startups und Bürgerschaftsabgeordnete der CDU, die sagt: “Leider wissen zum Teil viele Frauen nicht, wie man richtig aktiv netzwerkt, und andere nutzen ihr Netzwerk nicht richtig.” Die wichtigsten Erkenntnisse fassen wir hier für euch zusammen.

Networking – ist das nicht viel zu anstrengend?

Wir können nicht. Wir müssen. Wer seine Karriere fördern will, muss netzwerken. Das zeigen neben den guten alten „Old Boys Clubs“, in denen das Geschäft vor allem über „Vitamin B“ läuft, auch aktuelle Studien. So fand McKinsey in der Studie „Women Matter 4“  heraus, dass Frauenkarrieren unter anderem deshalb schleppender anlaufen, weil die Damen weniger networken, als ihre Kollegen. Unsere Gastgeberin Angela fasste diese Kernergebnisse für uns zusammen, gemeinsam mit anderen Fakten zum  Networking von Frauen:

  • Nur ein Drittel der Mitglieder bei XING sind Frauen
  • Frauen haben weniger Kontakte
  • … weniger Anfragen,
  • … sind schlechter vernetzt,
  • … schreiben weniger Mitglieder an
  • Viele Frauen scheinen die männliche Dominanz in Netzwerken als Abtörner wahrzunehmen

Klüngeln gehört dazu

Angela Rittig ist XING-Expertin für Netzwerken aus Frauenperspektive (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de).

Vielleicht können die nicht so mit der digitalen Plattform, fragt ihr euch? Tja, aber warum sind dann Frauen aktiver in Facebook und Social Media generell, als Männer? „Frauen kümmern sich lieber um ihr privates Netzwerk und private Inhalte, als um berufliche Beziehungen“, vermutet Angela. Wer ein stabiles Privatleben hat, die Einladungen für die ganze Familie bei Nachbarn, Freunden, Freunden der Kinder und Verwandten koordiniert, weiß: Da steckt richtig Aufwand drin. Das möchte man sich vielleicht nicht auch noch Treffen mit den Kollegen und Chefs ans Bein binden. Tja. Schade. Denn der Kollege macht’s. Und säuft beim Seminar an der Hotelbar bis in die Puppen mit Müller und Meier. Am nächsten Tag sind alle Deals besprochen, die Kollegin wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Klingelt’s? Dieses Phänomen beschreibt auch Marion Knaths in „Spiele der Macht“. Oder wie Angela zusammenfasste: „Männer pflegen ihre Karriere, Frauen ihre Angehörigen.“

Networking ist Pflicht. Freundschaft Kür.

Katharina Nitschke ist Scrum-Master und gut vernetzt (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de).

Und jetzt die gute Nachricht, Mädels: Berufliche Beziehungen sind viel lockerer als private. „Man geht einfach mal zusammen in die Mittagspause, bleibt in Kontakt – daraus muss nicht unbedingt die dicke Freundschaft werden“, findet Katharina Nitschke. Seit 13 Jahren ist sie in der Hamburger Digitalwirtschaft unterwegs. Die meisten ihrer Jobs als Projektmanagerin bekam sie über Empfehlungen. „Hamburg ist ein Dorf“, findet sie. Man läuft sich immer wieder über den Weg – und kennt irgendwann in jeder Firma einen, der einen kennt. Bingo. „Unsere Umfragen zeigen, dass Arbeitgeber mit neuen Angestellten, die über Empfehlungen eingestellt wurden, zufriedener sind“, sagt Angela. „Die Empfehlung wirkt wie Vorschusslorbeeren, ein positives Image, auf dem man aufbauen kann!“

Wissen und Beziehungen gehen Hand in Hand

Jens Nordlohne hat Beziehungen. Und redet drüber (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de).

„Viele Frauen denken, sie müssten mehr können als ihr Kontrahent und häufen mehr und mehr Wissen an“, sagt Jens Nordlohne. Er ist Berater für strategische Kommunikation bei victrix causa und verdient sein Geld unter anderem mit Wahrnehmungsmanagement. „Das stimmt aber nicht immer. Oft ebnen gute Kontakte und die Selbstpräsentation den Einstieg in einen Job oder einen Auftrag. Wenn man drin ist, muss man selbstverständlich zeigen, was man kann!“ Es reicht also nicht, gut zu sein. Die Leistung muss auch wahrgenommen werden. Am Besten von den Entscheidungsträgern. Dabei funktioniert der indirekte Weg und „weak ties“ oft besser, als mit der Tür ins Haus zu fallen: „Mir fällt bei besonders erfolgreichen Frauen immer wieder auf, dass sie eben nicht übertreiben, nicht ‘in your face’ ihre Leistung hervorheben, sondern ganz locker mit ihrer Führungsrolle umgehen“, sagt Jens.

Hier kam es dann zu einem kleinen Exkurs, ob dieses Rollenverhalten eben gerade sozial erwünscht wäre und an Frauen andere Erwartungshaltungen in der Erfolgskommunikation gestellt würden, als an Männer. – Ein weites Feld.

Adressbuch statt Besetzungscouch

Katharina Wolff hat zwei Start-ups gegründet und ist Politikerin (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de).

Nach einer Empfehlung gefragt, kommen etwa 90 Prozent der Tipps von Männern, schätzen Headhunter, bei denen XING nachgefragt hat. Für Frauen hat das Netzwerken oft etwas Kompliziertes. Sie halten sich zurück, wenn es um die Frage geht, Referenzen zu vergeben. Könnte da etwas auf mich zurückfallen? Sich mit Männern zu vernetzen, nur um die Karriere zu fördern, das hat einen komischen Beigeschmack. Und kann nervig werden. Wenn der Kollege selbst denkt, er könne zum Zug kommen.  Oder wenn einem nach dem Karrieresprung nachgesagt wird, man habe sich „eingelassen“ oder „Affairen gewebt“. „Ich lege in so einem Fall immer noch einen drauf wie zum Beispiel ‘Klar, ich hatte was mit allen Männern in Hamburg’ um das ganze absolut ad absurdum zu führen”, sagt Katharina und lacht. Sie kocht die derben Sprüche einmal hoch und lässt sie dann an sich abperlen, gibt die Politikerin zu verstehen. Dann sei das Thema durch. Frau steht drüber.
„Ich denke immer darüber nach, was der andere denkt, wenn ich ihn jetzt um diesen Gefallen bitte“, sagt jemand aus dem Publikum. Und spricht wohl aus, was viele Frauen beschäftigt. Verpflichtungen, Verkettungen, Erwartungen. „Diese Empathie, sich in das Gegenüber hineinzudenken, das wird euer großer Vorteil im Networking der Zukunft sein“, meint Jens. Beziehungen leben von kleinen Gesten. Und so ist das Wichtigste beim Networken, erst zu geben, bevor man nimmt. Denn Menschen sind sozial, wollen kommunizieren und zurückgeben, wenn sie bekommen haben. So funktioniert das Vitamin B.

Die elf wichtigsten Hard Facts & Tipps aus dem Event:

  1. Zielgerichtetes Networking beginnt mit der Frage: „Wer im Unternehmen soll mich auf der Agenda haben?“ Dabei kann es aber hilfreich sein, indirekte Wege einzuschlagen.
  2. Hauptsache nicht so verkrampft: Man muss sich riechen können. Geh’ ins Gespräch und frag dich: Worüber kann ich mich unterhalten, was habe ich zu bieten? Nicht etwa: Was kann derjenige mir bieten?
  3. Gute Kontakte zu haben ist wichtiger, als viele zu kennen. Ein Netzwerk von etwa 50 belastbaren Kontakten, die wiederum gute Kontakte haben, kann für den langfristigen Erfolg vollkommen ausreichend sein.
  4. Weak Ties sind manchmal der kürzere Weg zum Erfolg: Also die Kontakte der Kontakte. Wir empfehlen gern jemanden an einen Dritten weiter. Und: Andere kennen ihre Netzwerke besser, und das Netzwerk wird insgesamt größer, wenn wir Dritte mit einbeziehen – also nicht nur direkte Kontakte nutzen, sondern nach Empfehlungen fragen. Das wahre Potenzial liegt in den Kontakten deiner Kontakte.
  5. Nicht zu viele Gedanken machen, was der andere denkt, wenn ich ihn frage, ob wir mal in der Mittagspause über Projekt X sprechen wollen. Einfach machen. Klar zeigen, wo die eigene Expertise liegt und was das Thema ist.
  6. Im Optimalfall machen Netzwerke klassische Bewerbungen überflüssig.
  7. Berufliche Kontakte brauchen nicht dieselbe Intensität und Frequenz wie private Beziehungen.
  8. Im Networking gilt das „Mafia-Prinzip“: In Vorleistung gehen und etwas schaffen, was mich später (positiv, also nicht-mafiös) in Erinnerung ruft.
  9. Den persönlichen Kontakt suchen: Lieber sprechen als mailen, lieber treffen und schnacken, als Infos im Anhang schicken.
  10. Wichtige Informationen fließen über Netzwerke, Einzelkämpfer sind nicht unbedingt auf dem Radar der Entscheidungsträger.
  11. Empathie wird in Zukunft gewinnen, um qualitative Kontakte zu schaffen.

Und hier die wichtigsten Tipps unserer Networking-Profis:

Jens Nordlohne
Ein Mentor kann einem Kreise öffnen, die geschlossen erscheinen. Auf der Suche nach einem Mentor hilft die Sicherheit, dass der Mentor auch etwas von der Beziehung hat. Laut Jens ist das das gute Gefühl, junge Menschen zu fördern und in gute Positionen zu bringen, denen man Vertrauen entgegenbringt. Und: Natürlich fühlt sich ein Mentor auch geschmeichelt, wenn er um Rat gefragt wird.

Angela Rittig:
Networking darf ruhig zielgerichtet sein, ruhig auch mal ganz interessengesteuert mit Leuten treffen und nicht ausschließlich nach Sympathie gehen.

Katharina Nitschke
Qualität geht über Quantität. Persönliche Kontakte langfristig pflegen und immer die Augen offen halten, offen sein. Es muss nicht immer eine Freundschaft daraus entstehen, es reicht, sich auszutauschen.

Katharina Wolff
Agieren. Wenn jemand nervt: Daran denken, dass ich mein Gegenüber nicht ändern kann, aber mein Verhalten demjenigen gegenüber. Im Ernstfall aus dem Netzwerk löschen.

Woran merkt man, dass eine Frau das Event organsiiert hat? Es wurde an alles gedacht, auch daran, dass das Publikum um 19 Uhr direkt von der Arbeit kommt und wahrscheinlich hungrig ist. Danke, XING! (Foto: Rieka Anscheit, http://riekaspixsalon.de)

Das war wieder ein super spannendes, ausgebuchtes DMW-Event in bester Networking-Atmosphäre. Tausend Dank an alle Speaker und die tolle Organisation. Ihr wollt gleich loslegen? Wenn euch diese Bilder gefallen haben, dann empfehlt gern unsere wunderbare Fotografin Rieka Anscheit  weiter!

Was sind eure Erfahrungen mit Netzwerken? Please comment.

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2 Antworten zu "Networking – Das „Give and Take“-Prinzip"

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